Winterthur-Seen

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Wenn Eisvögel keine Vögel sind....

Wer sucht denn schon Schmetterlinge im Winter? - Nun, ein paar Unentwegte wagten den Spaziergang in den winterlichen Wald und wurden nicht enttäuscht.

Um 10 Uhr trafen wir uns beim Bahnhof Wülflingen, wo uns Madeleine herzlich begrüsste. Tierökologe und Schmetterlingskenner André Rey führte uns ins Thema ein und bereits wenig später suchten wir am Waldrand nach Eiern des Ulmenzipfelfalters und nach Raupen des kleinen Eisvogels (auch das ist kein Vogel, sondern ein Schmetterling). Das war definitiv einfacher gesagt als getan, denn wie zum Geier unterscheidet man zur kalten Jahreszeit Ulmen und rote Heckenkirschen von anderem Gehölz??…

Umso schöner war es, als dann wirklich jemand erste Minieier entdeckte. Wir staunten über die Tatsache, dass diese den ganzen Winter lang Regen, Schnee, Wind und Kälte trotzen. Ihre Hülle ist strapazierfähig genug, um das kleine Lebewesen im Inneren zu schützen und bietet dann doch im Frühling wohl irgendeine Sollbruchstelle, durch die sich das Räupchen befreien kann.

Besonders fasziniert haben mich aber jene Arten, die als Raupen überwintern. Die nur gerade 5mm langen Miniräupchen des kleinen Eisvogels schlummern in zu kleinen Schlafsäcklein eingerollten und an einem Seidenfaden verankerten Blättchen der roten Heckenkirsche. Mit einer guten Lupe und etwas Glück kann man das Räupchen mit seinen weissen und roten Haaren darin erkennen. An Stauden der Salweide überwintern - gut getarnt, aber eigentlich völlig ungeschützt - die gehörnten Räupchen des grossen Schillerfalters. Beide Arten lassen sich einfrieren und wieder auftauen, bis sie im Frühling zu neuem Leben erwachen, sich gross und dick fressen und zum Schmetterling entwickeln! Ist die Natur nicht unglaublich raffiniert?!…

Zur Mittagspause trafen wir Bruno, der uns bei einer Waldhütte ein wärmendes Feuer und den Grill für die Wurst vorbereitet hatte. Frisch gestärkt und aufgewärmt wanderten wir zum Abschluss zum sonnenseitigen Waldrand, wo unsere inzwischen etwas geübteren Augen am Schwarzdorn schon fast haufenweise leuchtend weisse Eier des Nierenflecks entdeckten. Nachdem uns Madeleine zum Abschied auch noch ein Ei des blauen Eichenzipfelfalters präsentieren konnte, hatten wir alle zu erwartenden Arten gefunden und spazierten pünktlich und zufrieden zurück zum Bahnhof Wülflingen.

Mit einem grossen Dankeschön an Madeleine, André und Bruno; mit für zukünftige Waldspaziergänge geschärften Augen und mit grosser Motivation, bis zum nächsten Winter die "wichtigen" Pflanzen zu kennen,

Katrin Junker

Nachtfalter1

Nachtfalter2

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