Winterthur-Seen

Winterthur-Seen

 

15. bis 24. Mai, 2010

16 Vereinsmitglieder haben sich für die Reise an die Müritz angemeldet; niemand hat es bereut. Alle waren begeistert von der überwältigenden Natur, den Vögeln, der Unterkunft, dem Reiseleiter und dem guten Klima in der Gruppe.

Peter Schadegg hat sich einmal mehr bereiterklärt, die Unternehmung zu organisieren. Alles hat geklappt, wie am Schnürchen, was wir von ihm auch gewohnt sind.

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Die einen flogen früher und genossen noch Berlin, die andern kamen am 15. Mai mit dem City Night Line dorthin. Zusammen fuhren wir mit dem Zug weiter nach Waren, wo uns Andreas Weber mit dem Bus erwartete. Er entpuppte sich schnell als wahrer Kenner von Natur und deren Schutz, von Politik, Vögeln und Vogelstimmen und der ganzen Flora und Fauna.

Er war immer präsent, schlug Früh- und Spätexkursionen vor und überraschte uns tagtäglich von neuem.

Kaum im Gutshaus Federow angekommen, mitten im Nationalpark, erkundeten wir die unmittelbare Umgebung. Das Entdeckungsfieber packte uns vom ersten Moment an: Da ein Braunkehlchen, dort ein Steinschmätzer, eine Heidelerche, überall Waldlaubsänger, ein Sprosser, Kraniche mit Jungen, ein Fischadlerhorst usw., immer wieder tönt das "Huu" der Hohltaube.

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Am 2. Tag fassten wir Velos und pedalten an den Warnker See und zum Alten Müritzhof. Dort wohnen und arbeiten Behinderte in Haus und Hof. Auf einer Führung im „Spukloch“ wanderten wir über steppenartige Ackerbrachen, entdeckten das Fettkraut, diverse Orchideen und eine reiche Vogelwelt in einer traumhaften Landschaft. Über den Stadtrand von Waren kehrten wir in einem grossen Bogen zurück.

Auch am 3. Tag war der Drahtesel unser Fortbewegungsmittel. Diesmal gings nach Boek. Der Weg führte über Speck, wo Andreas wohnt. Er lotste uns durch einen Wald mit uralten Bäumen, zeigte den Schlafplatz des Waldkauzes, die Hochzeit des Schwarzspechts und erzählte die wechselvolle Geschichte der ganzen Gegend. Am Ostufer der Müritz grunzte eine Wildschweinfamilie in nächster Nähe, Bekassinen flogen auf, Kraniche mit „pelzigen“ Küken spazierten auf den Wiesen, Hirsche ästen im Hintergrund. Immer wieder hören wir Trauerschnäpper und Waldlaubsänger.

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Der 4. Tag war ein Bustag. Es ging zur Stuerschen See, wo uns Rainer Schwarz, ein militanter, alter Naturschützer sein immenses Wissen und seinen Unmut über die Situation des Naturschutzes kundtat. Er zeigte uns eine Rarität, den kriechenden Sellerie, der bei unseren BotanikerInnen Begeisterung hervorrief. Die Wiesen waren übersät mit Orchideen. Auf dem Heimweg wusste Andreas genau, wo der Ortolan zu finden war. In einer originellen Scheune gabs einen feinen Zvieri-Kaffee. Abends begeisterte uns der „Waldschnepfenstrich“.

Der 5. Tag war eine Herausforderung. Auf der „Alten Fahrt“ gings auf Kanutour. Doch zuvor konnten alle in der Fischräucherei in Müritz Plau ihr Mittagessen aussuchen – natürlich geräucherten Fisch, der in grosser Auswahl vorhanden war. Dann wurden die Schwimmwesten gefasst. Es ist nicht jedermanns Sache, in ein schwankendes 8er-Kanu einzusteigen. Doch Übung macht den Meister. Flott ging es im Takt voran. Wir tauchten in eine traumhafte Seenlandschaft ein. Über uns kreisten Seeadler oder sassen auf Bäumen, ein Baummarder hoppelte am Ufer, Fische sprangen nach Mücken. Ein Fischadler tauchte im Sturzflug nach Beute. Die Stimmung war optimal, das Mittagessen am Ufer paradiesisch, trotz fettiger Fischfinger. Etwas Süsses machte immer zum Schluss die Runde. Der Guetsli- und Schoggivorrat schien unendlich zu sein. Auf dem Heimweg sahen wir, wie die Beutelmeise ihr Nest mit Rohrkolbenmaterial erstellte. Per Schiff erreichten wir Waren und bummelten durch die Altstadt.

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Am 6. Tag fuhren wir per Bus in die Feldberger Seenlandschaft und in den Serrahner Buchenwald. Ein ausgedehnter Spaziergang führte uns zu Rotbauchunken, Raubwürger und Schreiadler. Im Buchenwald waren wir trotz aufdringlicher Mückenschwärme hingerissen vom Gesang des Zwergschnäppers und dem traumhaften Baumbestand. Als Überraschung servierte uns die Mutter von Andreas im Garten seines Geburtshauses delikaten Kuchen und Kaffee. Ein Stück des Weges weiter bestaunten wir in einer Moorlandschaft Fieberklee und Sonnentau. Zum Schluss erhaschten wir am Müritzufer einen Blick auf 4 durchziehende Falkenraubmöwen – eine Sensation!

Nach dem 7. Tag tönte abends noch immer das „Didgeridoo“ der Rohrdommel in unseren Ohren. In der überstauten Seenlandschaft der Polderlandschaft Peene wimmelt es von Vögeln. Weissbartseeschwalben, Rothalstaucher und viele andere bevölkern die vielen Wasserflächen. Auf einer Schifffahrt auf der Peene hörten wir das Klopfen des Schlagschwirls. Zurück am Ufer schwammen gemütlich zwei Biber vor unseren Augen hin und her. Mäuschenstill wanderten wir durch die Nacht zurück zum Bus und lauschten den vielen Stimmen der Nacht.

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Schon vorbei!? Schade! Per Bus fuhren wir Richtung Berlin. Im Havelland besuchten wir die Grosstrappenstation. Hühner und Hähne spazierten vor unseren Augen hin und her. Zum Schluss tauchten wir am Pfingstsonntag in die Menge im Park des Schlosses Sanssouci. In den Büschen singen auch dort, trotz tausender Besucher, Trauerschnäpper und Gelbspötter. CNL-SIRIUS brachte uns zurück in die Schweiz. Auf Wiedersehen Meck-Pomm!

Reisebericht Brigitte Hofmann, Fotos Ursula Breimesser

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