Winterthur-Seen

Winterthur-Seen


7. - 14. Mai 2011

15 Teilnehmer, Organisation Peter Schadegg
Ornithologischer Leiter vor Ort Giovanni Albarella

1. Tag

Die Vorfreude am Bahnhof Winterthur war allen anzusehen. Die Anzahl Fernrohre im Gepäck liess auf fachkundige Teilnehmer schliessen. Frühmorgens fuhren wir gegen Süden und wurden nach dem Mittag in Mestre bei Venedig mit einem Kleinbus abgeholt. Der Chauffeur Salvatore erwies sich als Glücksfall. Sicher fuhr er uns durch die Woche, hatte Verständnis für Schneckentempofahrten zwecks Blaurackensuche und unvermutete Sofortstopps.
Bald schon waren wir im Hotel*** Oasi Canneviè ausserhalb Codigoro in der Provinz Ferrara. Während des Zimmerbezugs spitzten schon alle die Ohren. Nachtigallen waren zu hören, Turteltauben, der Kuckuck von allen Ecken her.
Unser Hotel befindet sich nur 2 km vom Lido di Volano. Dazwischen liegt ein traumhaftes Naturschutzgebiet, das wir sogleich erkundeten. Tiefblaues Wasser und Schilfinseln, mit Holzstegen verbunden, lockten uns zu Purpurreihern, Seidensängern, Nachtreihern, Stelzenläufern, diversen Seeschwalben und Bienefressern.
Die Liste am ersten Abend verhiess einiges für die kommenden Tage.
Bereits das Abendessen war eine einzige Verheissung. Von den Primi Piatti bis zum Dessert und dem Kaffee schwelgten wir dann während der ganzen Woche.
Auch das Frühstück liess nichts zu wünschen übrig: Käse, Fleisch, Yoghurt, viele Früchte, Müesli, Kaffee „zum Abheben“ (auch andernorts), Brot usw.

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2. Tag
Salina Comacchio, Punte Alberete
Wasser, Wasser soweit das Auge reichte. Wir entdeckten Zwergscharben, einen Wiedehopf, verschiedenste Reiher, riesige Flächen von Osterluzei (bei uns eine botanische Rarität), von überall her hörten wir singen, pfeifen, trillern. In den Wiesen frassen Nutrias genüsslich Gras. Diese sahen wir dann tagtäglich. Sie werden gefangen, weil sie mit ihren Bauten die Dämme zerstören. Alle Augen spähten durch die Fernrohren und Feldstecher, Fotoapparate waren im Dauerbetrieb. Traumhaftes Wetter begleitete uns durch die ganze Woche.

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3. Tag
Bosco forte
Hier kommen Seiden-, Silber-, Kuh-, Rallen-, Grau- und Zwergreiher in grosser Zahl vor. Entzückte Rufe von allen Seiten. Dann erschienen Stelzenläufer, Säbelschnäbler, Kiebitzregenpfeifer, Kiebitze, Schwarzkopfmöwen mit ihrem „Miau!“, etwa 300 Alpenstrandläufer, Dünnschnabelmöwen, Zwergseeschwalben, so zierlich klein mit ihren gelben Schnäbeln, eine Vielzahl von Bienenfressern. Überall ertönten Drosselrohrsänger, Nachtigallen, Kuckucke. Von weitem waren Rosapunkte zu sehen, dumpfes „Geschwätz“ war zu hören. Schnell war klar: Vor uns stelzten etwa 3000 Rosaflamingos im Wasser. Ein feines Picknick in der Wiese war ein weiterer Höhepunkt.

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4. Tag
Unser Ziel war Ferrara, eine Stadt mit einer interessanten Geschichte. Die Stadtbesichtiung wurde von einer spannenden Frau geführt, die sehr gut Deutsch sprach und uns u. a. in die Welt der adligen Familie Este einführte. Herrliche Bauten säumen die Strassen, viele Gassen sind mit Kopfsteinpflaster bedeckt. Das Jüdische Viertel ist voller Geschichten, die viele unter uns sehr beeindruckten.Kürbiscapellacci sind die berühmteste Spezialität der Stadt. Klar war, dass wir diese als Mittagessen wählten. Am Nachmittag durchstreiften wir den Bosco della Mesola, einen geschützten Mischwald. Mit einem Up-up empfing uns der Wiedehopf, zu seiner Seite sang ein Schwarzkehlchen. Wasserschildkröten sonnten auf Baumstämmen im Wasser. Steffen entdeckte einen „Irsch“ (Giovanni, unser Guide, bekundete Mühe mit dem H). In diesem Wald, auf dem Weg von und nach Ferrara, gab es vielerlei zu sehen, unter anderem viele Löffler und Reiher.

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5. Tag
Auf Velos umrundeten wir die Bucht von Goro (Sacca di Goro) bis zum Faro (Leuchtturm) di Goro. Die einen erhielten nagelneue Bikes mit vielen Gängen, die anderen alte Velos mit nur einem Gang. Gemütlich fuhren wir durch die Gegend. Die Sportlichen pedalten mit dem Fernrohr auf den Schultern. Es war von neuem ein Reihertag. Rot leuchteten die Augen der Nachtreiher aus den Baumreihen. Eine Kolonie von Kuhreihern besetzte dekorativ einige Bäume. Auch diesmal ganz nahe der Strasse hörten wir das „Glöcklein“ der Bienenfresser und bewunderten die exotisch anmutenden Vögel. Der Drosselrohrsänger und der Kuckuck samt Nachtigall begleiteten mit ihrem Gesang und Ruf den ganzen Weg. Eine feine Piadina mit Schinken und Käse mundete uns nach 30 km Fahrt.

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6. Tag
Ein Schiff wartete auf uns am Po die Goro. Der Kapitän ist Vogelliebhaber gewohnt. 3 Stunden lang tuckerte das Boot von Insel zu Sandstreifen, an Fischernetzen vorbei. Das Licht auf dem Wasser war überwältigend. Viele Kiebitzregenpfeifer, Alpenstrandläufer in riesigen Wolken auffliegend, Knutts, majestätische Purpur- und viele andere Reiher, Schwarzhalstaucher im Prachtkleid, Wiesenweihen, verschiedene Möwen und Seeschwalben versuchten wir mit unseren Fernrohren und Fotoapparaten einzufangen. Das schwankende Schiff sorgte für heisse Köpfe und flaue Mägen. Ein Orpheusspötter sorgte für helle Begeisterung. Eine Riesenpizza in einem Restaurant war fast des Guten zuviel. Auf dem Heimweg hofften wir auf Blauracken und Rotfussfalken. Nur eine einzige Blauracke kreuzte unseren Weg und flog sogleich wieder davon. Bei jedem Turmfalke hofften wir auf rote Füsse; doch es zeigten sich nur gelbe. Dafür befreiten wir einen Eichelhäher aus einer Nutriafalle.

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7. Tag
Eine Fahrt in den Norden nach Rosolino Mare führte uns in ein einsames Gebiet inmitten einer riesigen Wasserfläche. Nochmals Bienenfresser, unzählige Reiher, fast ein Dutzend männliche Wiesenweihen, drei Haubenlerchen, ebenso viele Orpheusspötter und viele andere Arten konnten wir schliesslich notieren.
Abends besuchten wir Comacchio, auch Klein-Venedig genannt, spazierten den Kanälen entlang und tafelten exzellent in einem prächtigen Restaurant. Abschiedsworte, Geschenke wurden gewechselt, sogar Tränen der Rührung flossen bei Salvatore, unserem Chauffeur.


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8.Tag
Die einen besuchten am Morgen die Abbazia di Pomposa, ein kulturelles Zentrum mit Fresken, in einer malerischen Umgebung, mit einer herrlichen Fotoausstellung. Der Rest konnte sich noch nicht von den Vögeln trennen und durchquerte das angrenzende Naturschutzgebiet. Letzte Blicke fielen auf herrliche Vögel, glitzerndes Wasser, Libellen, Smaragdeidechsen und Blumen. Nach einem feinen Mittagessen wurde der Bus beladen und losging es Richtung Mestre. Der Zug brachte uns kurz vor Mitternacht nach Winterthur. Müde Köpfe sanken mit Traumbildern voller Geflatter und Glitzern auf die Kopfkissen.

Dank Peter Schadegg haben wir eine unvergessliche Woche erlebt. Herzlichen Dank!

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