Winterthur-Seen

Winterthur-Seen

Vereinsreise des NVV Winterthur Seen nach Mecklenburg-Vorpommern

TAG 1; 28. Mai 2017 Die Reise ins Paradies

Wir treffen uns früh am Flughafen Zürich. Nach dem Verteilen der Bordkarten – dem Vorabend- Check-in sei Dank – müssen wir nur noch das Gepäck aufgeben. Der Flug verläuft pünktlich und ruhig.
In Berlin-Tegel angekommen, treffen wir Andreas Weber, unseren lokalen Reiseführer, sowie seinen Sohn auf dem Busparkplatz. Einige von uns begrüssen Andreas wie Altbekannte mit einer herzlichen Umarmung; man kennt sich von der Reise nach Mecklenburg-Vorpommern von 2010.
Nach einem kurzen Comfort-Stop mit Apfel, Bananen und Getränken und zweistündiger Fahrt in zwei Kleinbussen auf der Autobahn, treffen wir im malerischen „Alten Gutshaus Federow“ ein. Das Wort „Federow“ komme aus dem Slawischen und bedeute fröhlich oder lustig. Beim hohen Kamin sei ja auch die Schnapsbrennerei betrieben worden, sagt man uns augenzwinkernd.
Nach dem Lunch in der Bunten Kuh und bevor wir die Zimmer beziehen können, besuchen wir noch den Laden der Nationalpark-Verwaltung. Nach einer kurzen Einkaufstour werden wir mit exklusiven Bildern aus einem mit Kamera bestückten Horst, der auf einer künstlichen Plattform gebaut wurde, über die Erfolge bei der Wiederansiedlung des Fischadlers informiert.
Vor dem Nachtessen gehen wir auf die erste Entdeckungstour rund um den Hof-See: Alte, knorrige Bäume, Tümpelchen und Lichtungen wechseln sich ab. Im Wald liegen abgestorbene Eichenstämme, Hecken säumen den Rand. Andreas scheint jeden Baum, jede Spechthöhle zu kennen. Er kratzt leicht mit einem Holz an einem abgestorbenen Baumstamm, guckt zum Schlupfloch empor... niemand zu Hause. Aus dem Gebüsch singt die Mönchsgrasmücke aus voller Brust, während drei Schellentenküken ohne Begleitung auf einem kleinen Waldtümpel unter Geäst Schutz suchen. Aus einem „Hide“ am Hofsee sehen wir auf der angrenzenden Naturwiese brütende Kiebitze. Wir entdecken auch eine Goldammer am Waldrand und in den Wipfeln eines Bruchwaldes erkennen wir einen Seeadlerhorst, der besetzt ist. Feldlerchen steigen zum Singflug empor; es ist wie im Paradies.

TAG 2; 29. Mai 2017 Alter Müritzer Hof, Spukloch, Warnker See

Auf der gemütlichen Morgenexkursion hören wir einen Gelbspötter und noch vor dem Frühstück singt – wie dann alle Tage – vor dem Haus die Klappergrasmücke und der Gartenrotschwanz begrüsst uns. Nachher holen wir Fahrräder beim Informationszentrum des Parks. Einige von uns müssen noch den Sattel auf ihre Beinlänge einstellen, fast alle kämpfen auf der Fahrt zum Alten Müritzer Hof mit der ungewohnten Rücktrittbremse. Einzelne bringen es fertig, mit geschultertem Stativ einhändig zu fahren, andere verwenden für das Fernrohr einen speziellen Rucksack.
In der offenen, leicht hügeligen Landschaft wechselt sich Kulturland ab mit Naturwiesen, Bruchwäldern, Hecken und Teichen. Schnell ist das erste Schwarzkehlchen zu hören! Wir steigen vom Rad und beginnen zu suchen und merken erst jetzt, dass unser Reiseorganisator „verloren gegangen“ ist. Als die Gruppe nach kurzer Suchaktion wieder vollzählig ist, zeigt sich das Schwarzkehlchen durchs Fernrohr in aller Pracht.
Im Wald gleicht der Boden dann einem Samtteppich. Er ist teils von Moosen und Farnen überwachsen, teilweise auch einfach sandig und mit verdorrten Nadeln übersät. Im Wald begleitet uns das Schnurren des Waldlaubsängers und das Klagen des Fitis‘ und da, in einer Lichtung: ein Zwergschnäpper. Welch ein hübsches Kerlchen mit seinen weissen Augenringen und seinem markanten Gesang.
Zur Mittagszeit treffen wir auf dem Landschaftspflegehof Alter Müritzhof ein. Andreas führt uns durch mooriges Gebiet, das zurzeit allerdings trocken liegt, über Stege und durch Weideland. Durch offenes Gelände erreichen wir das Spukloch. 
Im Fernrohr zeigt sich ein nahrungssuchendes Kranichpaar mit zwei kleinen, gelben „Plüschbällchen“, die sich flink um die staksigen Beine der Altvögel bewegen. In nächster Nähe fliegt ein Neuntöter mit Nistmaterial im Schnabel hin und her und über der Müritz spielen Seeadler in der 2 Mittagsthermik. Wir verlassen den Ort, um dem nistenden Neuntöter die nötige Ruhe zum Nestbau zu gönnen, während Mehlschwalben zwitschernd über uns jagen.
Nach dem Mittagessen auf dem Hof radeln wir über Waldwege zum Warnker See und zurück nach Federow.
Auf das Nachtessen folgt noch eine Nachtexkursion zu den Waldschnepfen. In der Dämmerung sehen und hören wir, ganz in der Nähe des Hofsees, insgesamt fast ein Dutzend, wie sie knapp über den Wipfeln den Waldwegen entlang streichen.

TAG 3; 30. Mai 2017 Greifswalder Oie und ein Picknick im Regen, Karrendorfer Wiesen

Nach dem Frühstück steht der Bus bereit. Er fährt uns durch offene Landschaften, uralte Alleen und baumlose, bis zum Horizont reichende Weizenfelder. Die Mecklenburgische Seenplatte, einst von Gletschern aus dem Norden bedeckt, bildet heute mit den abgelagerten Seiten- und Endmoränen sanfte Hügel, die sich mit Seen und Mooren abwechseln.
In Freest steigen wir in die Fähre zur Greifswalder Oie (Oie = kleine Insel). Sie tuckert durch den Greifswalder Bodden zwischen den Inseln Rügen und Usedom an Peenemünde vorbei. Möwen begleiten uns. Kaum auf der unter Naturschutz stehenden Insel angekommen sehen wir eine Mittelsägerkolonie mit Jungen und auf der leicht rauen See entdecken wir eine Eiderente mit einem ganzen Schwarm Küken im Schlepptau sowie Samtenten. Weissbartseeschwalben ziehen im Wind ihre Kreise. Wir gehen zum Informationszentrum hoch, schauen kurz rein und machen uns dann auf den Rundweg über die Oie. Plötzlich ziehen schwarze Wolken auf und ein donnerndes Gewitter überrascht uns. Der Himmel öffnet seine Schleusen und der Regen prasselt immer heftiger nieder. Wir verstecken uns unter dem Blätterdach der dicksten Bäume. Da der Regen nicht nachlässt, packen einige von uns ihre Sandwiches aus dem Lunchbeutel und beissen mal drein; bei Frust hilft ja essen. Einige scheinen dank wetterfester Kleidung unbeeindruckt, andere werden langsam aber sicher triefend nass. Irgendwann lässt dann der Regen doch noch nach und auf dem abgekürzten Rundgang werden noch einige Grasmücken gehört und ein Kuckuck zeigt sich besonders schön. Leider haben beim Abwettern unter den Bäumen auch ein paar Zecken die Gelegenheit benutzt, auf einzelnen Teilnehmenden Platz zu nehmen.
Um 14.30 Uhr heissts wieder: „Leinen los“ und die Fähre stampft tapfer zurück Richtung Festland. Raubseeschwalben lassen sich blicken und kaum in Freest angekommen, scheint wieder die Sonne.
Auf dem Rückweg zeigt uns Andreas noch ein Kleinod, die Karrendorfer Wiesen. Es handelt sich um ein Schlickfeuchtgebiet, das durch einen Dammbruch von Meerwasser überflutet und danach so belassen wurde. Kaum aus dem Bus, hören wir eine Dorngrasmücke und eine Sperbergrasmücke, eine Rohrammer wird entdeckt und der Schlagschwirl präsentiert sich in kaum 20 Meter Entfernung. Über dem Kleinod schaukelt dann auch noch eine Rohrweihe im Wind.

TAG 4; 31. Mai 2017 Schwarzenhof, Boek und Speck

Wir satteln wieder die robusten Stahlrösser. Zuerst fahren wir mal Richtung Südost zum Schwarzenhof. Unterwegs sehen wir auf dem Strommast den Fischadlerhorst, der besetzt ist. Beim Schwarzenhof – ein Grauschnäpper lässt sich von Nahe beobachten und Gartenrotschwänze gehen ihrem Brutgeschäft nach – erzählt uns Andreas, dass zur DDR-Zeit ranghohe Mitglieder des Politbüros hier Ferien machten. Allerdings hätten sie sich durch das gemeine Volk, das hier ebenso flanierte, bedrängt und beobachtet gefühlt. Auf „Papa“ Webers Rat, hätten die Mächtigen dann dieses Kleinod einfach zur Naturschutzzone erklärt. Somit konnte man den Touristenstrom weg von den Ferienhäusern kanalisieren, was ganz im Sinne von Andreas‘ Vater war und auch der Hege und Pflege der Natur diente. Im Zuge der Wende wurde das Schutzgebiet vergrössert und bildet heute den Müritzer Nationalpark, bestehend aus zwei Gebieten, einerseits der östliche Teil am Müritzer See und anderseits die Serrahner Buchenurwälder inmitten der Feldberger Seenlandschaft.
Wir radeln weiter entlang des Sumpfgebietes des Specker Sees begleitet von Waldlaubsänger, Fitis, Zilpzalp und Zaunkönig. In einer Waldlichtung wird noch die Heidelerche gehört und gesichtet und beim Specker See zeigt sich vom Beobachtungsturm aus auch noch kurz ein vom Wind hin- und her geschüttelter Raubwürger.
In Boek kehren wir zur Mittagspause ein mit Direktübertragung aus dem Fischadlerhorst.
„Auf nach Speck!“ heisst es nach dem Kaffee. Andreas zeigt uns unterwegs, wie man früher von den Bäumen Harz gewann. Die Kerben von damals sind heute noch an den Baumstämmen als oberflächliches Fischgratmuster erkennbar. Den Bäumen hat diese Operation von damals offensichtlich nicht geschadet, sie wachsen gesund weiter. Wir lernen auch etwas über die Vielfalt der Moose, im Besonderen über seine Saugfähigkeit. Andreas nimmt eine Handvoll und wringt sie aus wie einen nassen Schwamm.
Speck erreichen wir am späteren Nachmittag. Wir lernen einen Weiler kennen, mit einer kleinen klassizistischen Dorfkirche und einem Schloss, das zur DDR-Zeit ein Erholungsheim für Offiziere beherbergte. Der prächtige Schlosspark besteht aus uralten Eichen. Wir gehen – ohne Erfolg – auf Spechtpirsch, löschen anschliessend in Andreas‘ Haus noch unseren Durst und pedalen anschliessend zurück nach Federow.

TAG 5; 1. Juni 2017 Kummerowersee und Peene

Der Bus bringt uns durch die Mecklenburgische Schweiz nach Gravelotte, von wo aus wir den Uferweg des Kummerowersees bis Verchen unter die Füsse nehmen. Kaum haben wir die Uferhöhen erklommen, erblicken wir einen Neuntöter auf seiner Warte. Auch ein Kleinspecht zeigt sich unbeeindruckt von unserer Anwesenheit an einem urwüchsigen Eichenstamm und Sprosser singen. In Verchen besteigen wir ein Solarboot, das uns an den schilfbewachsenen Ufern der Peene spazieren fährt. Das Peene-Tal ist ein Tieflandfluss, der bei stürmischem Ostwind auch mal „aufwärts“ fliesst und Meerwasser ins Land reinbringt, da sein Gefälle auf den nächsten 100 km bis zur Mündung kaum 40 cm beträgt. Schilfige Ufer bieten Brutplätze für mehrere Vogelarten, darunter auch Limikolen und Enten. Wir hören die Rohrdommel und sehen verschiedene Grasmücken. Leider entzieht sich das Blaukehlchen unserer Beobachtung.
Wieder an Land führt unsere Entdeckungsreise über einen Damm durch den Naturpark. Auf abgestorbenen Baumskeletten brüten Kormorane. Auf der anderen Seite entdecken wir Schnatterente, Löffelente, Tafelente, Haubentaucher mit Jungen auf dem Rücken, Teich- und Blässhuhn. Auch einen Schwarzhalstaucher sehen wir brütend auf seinem Nest. Er richtet ungeachtet unserer Präsenz sein Gefieder. Eine Rohrweihe fliegt tief überm Uferschilf, ein besetzter Fischadlerhorst ist am Horizont zu erkennen und selbst ein Falke rüttelt über dem Wasser. Erfreut sehen wir alle drei Sumpfseeschwalbenarten auf einmal, die Trauer-, die Weissbart- und die Weissflügelseeschwalbe.
Doch damit nicht genug. Wir beobachten eine Beutelmeise beim Bau ihres Beutels und bewundern die Schönheit der Bartmeise, die in den Schilfhalmen vor unseren Augen rumturnt und uns etwas verdutzt beäugt.
Benommen von der Schönheit der Natur steigen wir am Ende des Dammes still in den bereits wartenden Bus, der uns nach Federow zurückbringt.


TAG 6; 2. Juni 2017 Kanufahrt auf der „Alten Fahrt“

Der Müritzer Parkbus bringt uns zur Boeker Mühle, wo wir beim Kanuboot-Verleih eine Schwimmweste und ein Paddel fassen. Andreas sitzt als Steuermann ganz hinten in unserem Mannschaftkanadier, beim andern wirkt Peter als Steuermann. Alle andern sitzen alleine oder zu zweit auf die Holzbänkchen der bequemen und grossen Boote und paddeln mit. Leise gleiten wir auf einem stillgelegten Kanal der „Alten Fahrt“ dem Ufer entlang Richtung Osten. Der Ruf eines Pirols unterstreicht die wohltuende Stille. Wir erreichen einen kleinen See und sehen gründelnde Schwäne in Ufernähe. Nur das Plätschern der Paddel beim Eintritt ins Wasser ist zu hören. Eine Rohrdommel hupt ...
Wir kehren zur Boeker Mühle zurück und unterbrechen die Kanufahrt am Mittag zu Gunsten eines ausgezeichneten Fischbrötchens mit geräuchertem Fisch nach Wahl im nahen Beizli. Danach schlendern wir den Fischteichen entlang und entdecken in einem verschlickten Pond einen Waldwasserläufer in Gesellschaft mit einigen Flussregenpfeifern. Auch die Beutelmeise und ein Sumpfrohrsänger lassen sich auf dem Rundgang gut beobachten.
Am Nachmittag fassen wir wieder Paddel und Schwimmweste und suchen aufmerksam die Ufer auf der anderen Seite der „Alten Fahrt“ Richtung Müritz ab. Hier bilden die teils sehr steilen Ufer ideale Brutplätze für den Eisvogel. Die Aufmerksamsten können ein paar Blicke auf ihn erhaschen, wenn er, meist begleitet von hellen Pfiffen, übers Wasser schiesst. Ein Pirol flötet in den schönsten Tönen, lässt sich aber nicht blicken. Kurz vor dem Ende der Fahrt überraschen wir am Ufer unter Büschen einen ungeniert badenden Sperber in kaum 20 Meter Entfernung. Obwohl wir so nahe sind, lässt er sich lange Zeit beobachten.

TAG 7; 3. Juni 2017 Feldberger Seenlandschaft und Buchenurwald Serrahn

Mit dem Bus fahren wir in die Feldberger Seenlandschaft. Andreas lässt uns auf einer Hügelkuppe aussteigen. Kaum sind die Fernrohre aufgestellt, zeigt sich ein Schreiadler mit seinen leicht hängenden Flügeln und erscheint danach während gut einer Stunde immer wieder, während im Hintergrund ein Sprosser singt und sich mehrere Braunkehlchen, ein Schwarzkehlchen und die unvermeidlichen Grauammern bestaunen lassen. Beunruhigend ist dann, dass auch noch Seeadler auftauchen, welche die Schreiadler aus ihrem langjährigen Revier vertreiben könnten. Am Nachmittag besuchen wir den Serrahner Buchenurwald, ein UNESCO-Weltnaturerbe. Bei leicht regnerischem Wetter verschwinden wir in einen dichten, dunklen Blätterwald und finden bald einen Rastplatz an einem kleinen Tümpel und picknicken zufrieden mitten in der Natur.
Wir bestaunen die meist uralten Buchen. Ihre Blätter bilden ein dichtes Dach und der Waldboden bleibt somit eher karg. Beim Weiler Serrahn erblicken wir dann am Wegrand ein verträumt gelegenes Kaffee. Hier wirtet Andreas‘ Schwester in dem Haus, in welchem auch Andreas aufgewachsen ist!
Wir verbringen, vor einem weiteren Regenguss geschützt, eine gute Zeit bei Kaffee und selbstgemachtem Kuchen im Garten, hören und sehen den Gimpel und schauen beim Weggehen wehmütig zum malerischen Paradies zurück.
Andreas führt uns über einen Holzsteg durchs Moor. Unsere Floraspezialisten sind entzückt. Sie entdecken unter anderen Seltenheiten den Sonnentau. Am selben Ort wie bereits vor sieben Jahren, zeigt sich dann wiederum der Zwergschnäpper.
Auf dem Heimweg schauen wir noch im Dörfchen Schloen vorbei, wo uns der Bürgermeister und ein Mitglied des Fördervereins erwarten. Sie erzählen von ihren Bemühungen der letzten 15 Jahre, die Umgebung des Dorfes östlich der Mühle zu renaturieren. Ein Grossteil des Projekts umfasste der Aufkauf der umliegenden Feuchtwiesen, sowie das Erstellen eines Gutachtens, wie die tiefgelegenen Flächen bis zur Burg in den ursprünglichen Sumpfzustand zurückgeführt werden könnten.
Um die Arbeit weiter voranzutreiben, werden noch Sponsoren gesucht. Wir sind beeindruckt von dem Projekt und der Vorarbeit, die schon geleistet wurde; die übliche Spende von 100 Franken pro Teilnehmer/in ist deshalb in diesem Projekt sicher gut investiert.

TAG 8; 4. Juni 2017 Stuersche See und Grosser Schwerin

Mit dem Bus fahren wir bei eher durchzogenem Wetter los und suchen den Karmingimpel in der Nähe von Retzow: ohne Erfolg. Und auch die längere, ja schon fast verzweifelte Suche nach dem Ortolan vor und nach Krümmel auf dem Weg nach Troja – der Weiler heisst tatsächlich so – ist erfolglos. Die Seltenheiten wollen bei diesem Regenwetter einfach nicht singen und sind somit kaum zu entdecken.
In der 1881 erbauten, grössten Feldsteinscheune Deutschlands, in Bollewick bei Röbel, wo grad eine Ausstellung stattfindet und Volksmusik live gespielt wird, essen wir deftig zu Mittag.
Nach dem Mittagessen eilen wir zum Bus und fahren nach Gneve, wo wir am Tor des Naturschutzgebietes „Grosser Schwerin mit Steinhorn“ auf Rainer Schwarz treffen, der seit 1965 Kustod dieses Kleinods ist. Obwohl es am Eingangstor heisst „Betreten verboten“, haben wir die Ehre, trotzdem eintreten zu dürfen.
Die Halbinsel war ursprünglich mal eine Insel in seichtem Wasser und ist von einmaligem Wert, da sie nie kultiviert wurde und daher noch die ursprüngliche Flora trägt. Um die Verlandung zu verhindern, werden zirka 200 Rinder, Pferde und Schafe zur Beweidung eingesetzt.
Schon auf dem Hinweg entdecken wir Orchideen und erhalten Einblick in die ganz spezielle Gräserwelt der Seggenlandschaft. Die Mutterkühe sind friedlich, ja sie galoppieren mit ihren Kälbern weg, während die Pferde neugierig schnaubend unsere Nähe suchen. Eine wilde, offene Landschaft ohne Bäume über welche ein kräftiger Wind fegt. Wir entdecken Kormorane, Schwäne und die vielen Freizeitboote auf der Müritz. Ein Holzsteg trägt uns über die sumpfige Orchideenwiese zurück zum Eingangstor.
Auf der Heimfahrt versuchen wir unser Glück, den Ortolan zu hören und zu sehen, nocheinmal bei der Kreuzung zweier mit uralten Eichen gesäumter Strassen ausserhalb von Röbel, ein Tipp von Herrn Schwarz. Wir schwärmen diesmal gleich in drei Gruppen aus; leider wieder ohne Erfolg.
Nach dem letzten Nachtessen bedanken wir uns bei Andreas Weber, der uns mit seiner Begeisterung für die Mecklenburger Seenplatte angesteckt hat, und applaudieren all den Fernrohrträgern, die uns mit ihren Instrumenten die Vogelwelt noch etwas näher brachten.
Als sich am Abend spät vor dem Gasthaus noch ein Käuzchen lautstark vernehmen lässt und im Hintergrund eine Rohrdommel hupt, wissen wir: Wir haben das Paradies gesehen!

TAG 9; 5. Juni 2017 Rückreise

Da es Andreas wohl sehr gemopst hat, dass sich der Ortolan am Tage zuvor nicht einstellte, fahren wir auf der Rückreise zum Berliner Flughafen nochmals zu Eichenalleen und schwärmen, in unseren Reiseklamotten, erneut in 3 Gruppen aus. Nun, der Ortolan wird sich sicher das nächste Mal zeigen; Federow, wir kommen wieder.
Dank der von René bereits im Hotel ausgedruckten Bordkarten, geht auch in Berlin-Tegel das Einchecken der Koffer sehr schnell und der Flug zurück nach Zürich verläuft problemlos.(LL/PS)


Artenliste

 

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