Winterthur-Seen

Winterthur-Seen

27. April - 5. Mai 2002: Donaudelta und Dobrudscha

Diese Reise musste sogar doppelt geführt werden. Das Tagebuch stammt von der zweiten Reise, ebenso die Artenliste.

Tagebuch: - Tage im Donaudelta - Tage in der Dobrudscha
Artenliste: - Vögel - Amphibien und Säugetiere

Samstag, 27. April                Winterthur - Bucuresti - Tulcea
Das Einchecken und der Flug mit der Lufthansa über München nach Bukarest verlaufen reibungslos. Pünktlich auf die Minute landen wir in der rumänischen Hauptstadt.
Dort finden wir zunächst aber niemanden von Ibis-Tours. Schliesslich läuft uns Octav, der Sekretär des Unternehmens über den Weg, wir warten nur noch auf den Bus. Der kommt mit etwas Verspätung, nun fehlt nur noch Hans Frei. Er hat die Wartezeit genutzt um den Tower des Flughafens zu skizzieren und ist nun umringt von Sicherheitsleuten des Flughafens. Schlussendlich wird die Zeichnung konfisziert, die Passdaten notiert und Hans bleibt uns erhalten.
Die Fahrt geht nun los, zuerst um das trostlose Bukarest, dann nach Osten. In Slobozia machen wir eine Pause, essen typisch rumänisch und beobachten einen Grauspecht. Die Fahrt geht weiter, wir überqueren die Donau und kommen in die Dobrudscha. Am Hazarlâc-See machen wir einen ersten Beobachtungshalt. Das „kleine“ Gebiet ist für uns Schweizer riesengross. Der Kuckuck ruft, Rallenreiher sitzen am Ufer und Frösche versuchen den Drosselrohrsänger zu übertönen.
Es ist bereits dunkel wie wir in Tulcea ankommen. Wir beziehen unsere Kojen auf dem Hausboot und geniessen ein gemeinsames Essen mit der ersten Gruppe. Hans Sigg überreicht der örtlichen Jugendgruppe feierlich unsere Spende.
Um Mitternacht fallen wir müde ins Bett.

Sonntag, 28. April                Canalul Mila - Lacul Nebunu - Maliuc
Nach dem Frühstück starten wir mit dem Stuhlboot von Tulcea aus. Wir verlassen den Sulina-Arm der Donau und durchqueren in gut 5 Stunden einen kleinen Teil des Deltas. Über den Mila-Kanal fahren wir zum Nebunu-See, weiter am Furtuna-See vorbei um dann bei Gorgova wieder in den Sulina-Arm zu kommen. In Maliuc treffen wir das Hausboot.
Der Artenreichtum unterwegs ist fantastisch. Ein Eisvogel nach dem andern, Rallenreiher, Seidenreiher, Pelikane, Seeadler, Enten ... Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. In den immensen Auenwäldern rufen Grauspechte, Wiedehopfe und Gartenrotschwänze. Auch Beutel- und Schwanzmeisen hören wir. Rothalstaucher präsentieren sich und Zwergscharben trocknen ihr Gefieder. So schön!
Nach dem Mittagessen machen wir einen Spaziergang bei den Fischteichen von Maliuc. Rallen- und Nachtreiher lassen sich vergleichen, Löffler und Silberreiher kommen dazu und schliesslich entdecken wir neben einigen Rosapelikanen auch drei Krauskopfpelikane.
Mihail erklärt uns die Botanik und um sieben sind wir müde und voller Eindrücke wieder auf dem Boot.

Montag, 29. April                Caraorman - Lacul Iacob - Dunârea Veche
Auf einer Frühexkursion in Maliuc beobachten Roger und ich ein Blutspechtmännchen. Die Fahrt geht nach dem Frühstück mit dem Hausboot weiter. Im dichtem Nebel fahren wir nach Lebâda und dann weiter nach Caraorman. Es tut auf und die ersten Blauracken des Jahres zeigen sich. Links und rechts des Kanals sehen wir Braune Sichler und Limikolen. In Caraorman unternehmen wir eine Limikolenexkursion, wir beobachten Stelzenläufer, Säbelschnäbler, Teichwasserläufer und vieles mehr. Auf dem Boot essen wir zu Mittag.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Stuhlboot zum Iacob-See und über ein paar Kanäle durchs Hinterland. Pelikane ziehen ihre Kreise und Nachtreiher fliegen auf. Wir treffen das Hausboot wieder, fahren zurück zum Hauptkanal, an Criçan vorbei in die alte Donau hinein. Purpurreiher sind sehr zahlreich und auch ein Trupp Zwergmöwen fliegt vorbei.
Es zieht wieder zu, trotzdem unternehmen wir eine kleine Exkursion am Rand eines riesigen Schilfgebietes. Teich- und Drosselrohrsänger singen und Feldschwirle schwirlen.
Nach dem Nachtessen lauschen wir noch in der Kälte dem Laubfroschkonzert und gehen müde zu Bett.

Dienstag, 30. April                Canalul Magearu - Letea-Wald - Dunârea Veche
Nach dem Frühstück (bereits um sieben) und dem vorherigen Yoga auf Deck geht es aufs Stuhlboot. Via Canalul Magearu fahren wir zum Dorf Letea. Unterwegs beobachten wir Pirole, Kuckuck und Rotfussfalken. Bei den Falken verweilen wir etwas länger, da sich ein illegales Fischernetz in der Schiffsschraube verfangen hat. Nach der erfolgreichen Befreiung eines Karpfens und der Schraube geht es weiter, wir sehen Blaukehlchen und Beutelmeisen und kommen dann schliesslich in Letea an.
Wir spazieren durch das wunderschöne ukrainische Dörfchen zu unserem Transportmittel: einem Traktor mit Anhänger. Er bringt uns in den Letea-Wald. Der Wald besteht aus Pappeln und Eichen, dazwischen erheben sich Sandhügel, was dem ganzen einen afrikanischen Savannentouch gibt. Im Wald singen Sprosser und Mihail erklärt uns die interessante Pflanzengesellschaft. Wir beobachten auch Falkenbussarde, eine östliche Unterart des Mäusebussards.
Zurück in Leta besichtigen wir noch die orthodoxe Kirche und fahren dann zurück zum Hausboot. Mit dem ganzen Zirkus fahren wir zurück in den Hauptkanal, den wir bei Lebâda wieder verlassen, Richtung Mila 23. Ein Schwarzstirnwürger wird erspäht und auf den Stromleitungen tummeln sich im 100m-Abstand Blauracken, eine nach der anderen.
Auf einem See, umgeben von riesigen Schilfflächen und grossen Weiden, ankern wir für unser Nachtlager.

Mittwoch, 1. Mai                  Mila 23 - Lacul Rotund - Lacul Furtuna - Canalul Mila
Die Frühaufsteher werden heute mit Bart- und Beutelmeisen belohnt, die Spätaufsteher mit Rossegeln im WC.
Nach dem Frühstück machen wir einen Stuhlbootausflug zu einer Kolonie mit Zwergscharben und Nachtreihern. Danach geht es mit dem ganzen Zirkus (d.h. Schlepper, Hausboot und Stuhlboot) nach Mila 23. Wir spazieren durch das malerische Lipovaner-Dörfchen, auf dessen Kirche ein Gartenrotschwanz singt.
Wir fahren mit dem Hausboot weiter und machen noch einmal einen Stuhlbootausflug zum Rotund-See, der voll mit Höckerschwänen ist.
Nach dem Mittagessen überqueren wir den Furtuna-See, über dem zwei Seeadler kreisen und auf dem zwei Krauskopfpelikane schwimmen. Die Durchquerung der anschliessenden Kanäle ist recht abenteuerlich, die Axt kommt an einer Stelle zum Einsatz.
Den Rest des Tages geniessen wir auf dem Deck des Hausbootes. Wir lassen die Auenlandschaft an uns vorüberziehen, sehen noch einmal einen sehr nahen Seeadler und immer wieder Rallenreiher, Seidenreiher, Sichler und Eisvögel.
Am Abend kommen wir in Tulcea an, wo wir uns von der vorzüglichen Crew verabschieden.

Donnerstag, 2. Mai             Mâcin-Gebirge
Nach dem letzten Frühstück auf dem Hausboot fahren wir mit dem Bus von Tulcea westwärts. Bei einem ersten Beobachtungshalt sehen wir Grauammern, die ersten Feldlerchen, den Rotfussfalken und die Blauracke.
In einem Waldsteppengebiet machen wir den nächsten Spaziergang. Daniel lockt eine Trauermeise, die sich auch bereitwillig locken lässt. Sie turnt auf dem Bäumchen herum und inspiziert neugierig das Tonband.
Es geht weiter über Isaccea nach Garvân, wo wir an einem See halten. In der Ferne schwimmen zwei Rostgänse, näher sind Neuntöter und Gartengrasmücke.
Schliesslich erreichen wir die Berge von Mâcin, unser Tagesziel. Wir wandern am Rand der Berge entlang. Haubenlerche, Isabellsteinschmätzer, Brachpieper, Wiedehopf, Steinrötel und Ortolan verwöhnen uns mit ihrem Anblick. Auch stolpern wir über eine kleine griechische Landschildkröte. In einem kleinen Wäldchen essen wir zu Mittag, umgeben von singenden Grauammern.
Nach dem Essen besuchen wir einen kleinen, alten Steinbruch, wo sich der Nonnensteinschmätzer wunderbar zeigt.
Wir fahren weiter nach Südosten und machen an einem kleinen Salzsee einen Limikolenhalt. Wir erspähen verschiedene Arten, wobei ein Vogel Verwirrung stiftet. Die Lösungsvorschläge reichen über Spornkiebitz zu Rotlappenkiebitz. Schlussendlich dürfte es aber doch nur ein überdurchschnittlich grosser Kampfläufer gewesen sein.
In der Nähe von Cerna fahren wir wieder zum Gebirge. Beim ersten Halt erscheint sofort der Triel, beim zweiten der Würgfalke, beim dritten der Mittelspecht. Nur der Wendehals zeigt sich nicht so kooperativ. Über Horia und Nalbant fahren wir zurück nach Tulcea wo wir im Hotel Delta unsere Zimmer beziehen.

Freitag, 3. Mai                  Bestepe - Lacul Sârâturii - Lacul Razim - Enisala
Nach dem Frühstück geht es mit dem Bus ostwärts. Bei Bestepe liegen die „Fünf Hügel“, von denen wir einen erklimmen. Ein Trielpaar brütet am Hang, Steinschmätzer schmätzern, der Ortolan singt und ganz oben zeigt sich kurz ein Schwarzstirnwürger. Die Aussicht auf das Delta ist phänomenal und lässt die Grösse des Gebietes erahnen.
Bei Murighiol beobachten wir am Lacul Sârâturii, einem Steppensee. Hier brüten einige hundert Paare Schwarzkopfmöwen. Sie lassen sich wunderbar mit Lach- und Zwergmöwen vergleichen. Unter den zahlreichen Flussseeschwalben wird auch noch eine Lachseeschwalbe entdeckt und einzelne Trauerseeschwalben.
Nach dem Mittagessen erspäht Urs an einem weiteren See bei Plopul zwei Austernfischer. Pieper ziehen durch, Weissflügel- und Trauerseeschwalben zeigen sich in Massen. In Sarinasuf ticken wir den Weidensperling, der zusammen mit Haussperlingen als Untermieter bei einem Storch wohnt. Am Rande des Lacul Razim beobachten wir erneut Limikolen, darunter Sichelstrandläufer, einen Steinwälzer und Teichwasserläufer. Ein einzelner Singschwan hat wohl den Abflug nach Norden verpasst. Auch verschiedene Enten sehen wir, darunter Spiessenten, Pfeifenten und Brandgänse. Dazu gesellt sich auch noch ein Krauskopfpelikan.
Wir fahren weiter nach Enisala, wo wir vor dem Dorf die ersten Bienenfresser des Jahres erspähen. Beim Dorfausgang sitzt ein Steinkauz, der sich wunderbar beobachten lässt.
Beim alten römisch-byzantinischen Fort Cetacea Heraglea geniessen wir die Aussicht, die Triele und Ziesel und beobachten Rosapelikan beim Fischen.
Über Babadag fahren wir zurück nach Tulcea.

Samstag, 4. Mai                  Wald von Babadag - Vadu (Sinoie-Lagune)
Das Schlussfeuerwerk! Wir verlassen Tulcea mit dem Bus Richtung Süden. Unterwegs stechen wir in ein Feld, wo wir nach kurzer Zeit Kalander- und schliesslich auch Kurzzehenlerche entdecken.
Die Fahrt geht weiter zum berühmten Babadag-Wald. Beim Waldeingang erspäht Daniel einen männlichen Kurzfangsperber. Ein Spaziergang im Wald zu einem kleinen Steinbruch bringt zwar keinen Uhu, dafür aber Nachtigall und Waldlaubsänger. Auch die Sperbergrasmücke singt kurz. Ein zweiter Spaziergang in einem eher mediteran beeinflussten Waldteil begeistert auch Hardcoreornis für Blumen und Schlangen.
Wir fahren weiter und nach einem kurzen Zwischenstop in Sâcele, wo wir eine Rotfussfalkenkolonie bestaunen, essen wir bei Vadu, in der Nähe eines brachliegenden Industriekomplexes. Während des Picknicks fliegen Rotfussfalken, der Pirol singt, der Wiedehopf ruft und der Neuntöter bewacht uns...
Wir fahren weiter Richtung Meer. Zuerst bringt Daniel den Feldrohrsänger zum Singen und bei einem Teich entdeckt er die seltenste Limikole des Gebietes, den Weissschwanzkiebitz. Vier Stück lassen sich von uns bewundern.
Nebenan finden wir Zwergseeschwalben, Seeregenpfeifer und hunderte von Rotflügel-Brachschwalben. In den Büschen finden wir viele Zugvögel, darunter Zwergschnäpper und Blassspötter. Endlich sind wir am Schwarzen Meer, wo prompt Dünnschnabel- und Fischmöwen vorbeifliegen. Nur schwer können wir uns von der Küste lösen, es ist bereits sechs bei unserer Abfahrt nach Tulcea.
Nachtessen wie immer im Restaurant Select, wobei Hans und Magda kleidungsmässig rumänisiert werden.

Sonntag, 5. Mai                  Tulcea - Bucuresti - Winterthur
Früh morgens geht es los mit dem Bus nach Bukarest. Einige versuchen noch verzweifelt einige Arten mehr zu finden um Amadeus Morell zu schlagen, es gelingt uns aber nicht. Zum Glück wissen wir noch nicht, dass wir ihn um nur eine Art verpasst haben. Das Einchecken verläuft fast reibungslos, schlussendlich sind alle auf dem Flieger und nach einem Zwischenhalt in Frankfurt kommen wir pünktlich und müde in Zürich an.

Reiseleitung vor Ort:
Daniel Petrescu
Str. Grivitei - nr. 1
bl. C1, ap. 9
Tulcea 8823
Romania
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Homepage: www.ibis-tours.ro

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