Winterthur-Seen

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Bericht Jubiläumsreise zu den Kranichen und Grosstrappen in Ungarn im Herbst 2004

Artenlisten: Vögel Pflanzen und weitere Tiere

Freitag, 1. Oktober 2004 / Samstag, 2. Oktober 2004
Die Anreise per Nachtzug von Zürich nach Wien und Budapest erfolgt unter der kundigen Leitung von Tamara und Urs Buchs und verläuft ohne Probleme. Die Weiterfahrt von Budapest nach Sárospatak erfolgt per Bus. Unterkunft im Hotel Bodrog in Sarospatak.

Sonntag, 3. Oktober
Tagesexkursion in das Tokaj-Zemplén Gebirge, das zu den landschaftlich schönsten Gegenden Ungarns gehört. Neben mehreren Spechtarten lassen sich dank der Hilfe von Zoli auch Habichtskauz und Uhu gut beobachten.
Zur Feier unseres Jubiläums tafeln wir mit klassischer Musik im Renaissanceschloss von Sárospatak. Die riesigen Portionen hätten auch jeden hungrigen Rittersmann reichlich gesättigt.

Die Reisegruppe im Zemplengebirge (Foto: Stefan Wassmer)

Montag, 4. Oktober
Eine längere Wanderung führt uns nochmals in das Zemplen-Gebirge, allerdings lassen sich die Spechte trotz aller Bemühungen nicht in grossem Umfang beobachten. Offensichtlich ist es für sie zu warm, sodass sie ihre Territorien nicht mit grossem Eifer verteidigen. Auf einem Feld zwischen Sárospatak und Tokaj können wir einen jungen Schwarzstorch sehr gut beobachten.
Das Mittagessen nehmen wir in einer kleinen Pension ein. Wir besichtigen ein Fischteichgebiet südlich von Tokaj, welches zwar schönes Wetter, aber am heutigen Tag nur bescheidene Beobachtungen bietet.
Die Weinprobe in einem schönen Weinkeller, wo wir den weltbekannten Tokajer Wein probieren, entschädigt uns für allenfalls am Nachmittag entgangene Beobachtungen. Dabei berücksichtigen wir auf Anregung von Janos nicht einen der französischen Konzerne, sondern eine private Weinbauernfamilie.
Dank dem bekanntermassen heilsamen Schimmelpilz, welcher die Weinkeller im Tokaj bewohnt, überstehen wir die weitere Reise ohne jegliche gesundheitliche Strapazen.

Dienstag, 5. Oktober
Bereits gilt es, das Hotel Bodrog zu verlassen und im Verlauf eines ausgedehnten Reisetages mit vielen Beobachtungen nach Debrecen zu wechseln. Höhepunkt der heutigen Beobachtungen sind sicher die 25 Zwerggänse, die wir in einem flachen Teichgebiet nördlich der grossen Fischteiche sehr schön (wenn auch nicht auf Fotonähe) beobachten können. Das Mittagessen nehmen wir in der uns wohlbekannten Fischcsarda an der Theiss ein.

Mittwoch, 6. Oktober
Die Exkursion zu den grossen Fischteichen von Hortobágy zeigt eine interessante Entwicklung. die Parkverwaltung lässt die Schmalspurbahn renovieren, damit die Touristen nur noch kontrolliert von dieser Seite in das Gebiet der Teiche kommen - eine attraktive und gut ausgedachte Art der Besucherlenkung.
Als Ueberraschung für den heutigen Tag hat Janos ein reichhaltiges Picknick organisiert, welches uns vom den Fachleuten der Fischcsarda gebracht und aufgetischt wird.
Nach dem Mittagessen fahren wir in die nördliche Hortobagy, wo wir an verschiedenen Stellen die Futter suchenden Kraniche beobachten. Der Einflug in das streng geschützte Gebiete der grossen Fischteiche, den wir von einem neu angelegten Anglergebiet aus beobachten können, erweist sich als ein unvergessliches Schauspiel. Besonders erstaunlich sind die Begegnungen in der Luft zwischen wohlgeordneten Flugtrupps von Kranichen und Gänsen, welche sich in verschiedene Richtungen bewegen.

Donnerstag, 7. Oktober
Unsere frühe Fahrt führt zu den südlichen Steppengebieten der Hortobágy um Nagyvan. Dank der kundigen Führung durch Dr. Kovacs können wir die Grosstrappen sehr gut beobachten und zwar erfreulicherweise auf den Rapsfeldern, welche dank der finanziellen Hilfe unseres Vereins seit einigen Jahren von den lokalen Bauern angelegt werden.
Vor der Abreise von Nagyvan können wir eine Gruppe von 10 Individuen des in der Hortobagy durch zu geringe Beweidung sehr selten gewordenen Triel beobachten
Vor dem Mittagessen besuchen wird das Wollschweinprojekt von Janos, In diesem gut dokumentierten Projekt hat sich gezeigt, dass eine intensive Beweidung von Sumpfgebieten durch Wollschweine (im Idealfall kombiniert mit der Beweiden durch andere Haustiere) für viele Vogelarten optimale Verhältnisse schafft, welche denjenigen ähneln, die früher durch die ausgeprägte Flussdynamik entstanden sind.

Wollschwein (Foto: Stefan Wassmer)

Am Nachmittag unternehmen wir eine Kutschfahrt auf der Puszta und besichtigen die alten ungarischen Haustierrassen: Das Nonius-Pferd, das Graue Steppenrind, den Wasserbüffel, die Zackelschafe, die Wollschweine und die Hirtenhunde in ihrem ursprünglichen Lebensraum. Wir können die Traditionen der Tierhaltung und des Hirtenlebens kennen lernen. Man scheint hier in der Zeit zurückzureisen und kann heute noch die uralte Landschaft und die zeitlosen Schauplätze des Hirtenlebens betrachten.

Freitag, 8. Oktober
Unsere Wanderung auf den schönsten Salzsteppen der Hortobágy dehnt sich etwas länger aus als erwartet. Die gesuchten Mornellregenpfeifer erweisen sich als fast so schwierig zu finden wie auf unseren Vereinsreisen. Aber schliesslich werden wir für unsere Ausdauer belohnt und finden die wunderschönen Vögel, wie sie die Insekten fangen, welche von einer Herde Schafe aufgescheucht werden. Allerdings werden sie dabei immer wieder von einem Merlin (einer zu andern Zeiten hervorragenden Beobachtung) gestört. Sehr gut beobachten lasen sich auf dieser Exkursion die Taranteln, ebenso der Laubfrosch.

Kraniche (Foto: Stefan Wassmer)

Nach einem ausgezeichneten Mittagessen in der traditionellen Hortobagy-Csarda und einem eher ruhigen Nachmittag lassen sich gegen Abend ca. 1000 Saatkrähen beobachten. Den absoluten Höhepunkt des Tages bietet uns der Einflug von etwa 10'000 Kranichen in ihre Schlafplätze.

Samstag, 9. Oktober
Nachdem das Wetter sich während unserer ganzen Reise vorbildlich verhalten hat, verschlechtert es sich an unserem letzten Reisetag. Dies hindert uns allerdings nicht daran, in Hortobagy die sehr schönen Beobachtungen mehrerer Waldohreulen zu geniessen (Foto Stefan Wassmer).

Waldohreule (Foto: Stefan Wassmer)

Auch der anschliessende Besuch eines abgelassenen Fischteichs westlich von Hortobagy lohnt sich. nach einem ausgiebigen Mittagessen in der Csarda am westlichen Parkeingang fahren wir zum Theiss-Stausee, der uns nochmals einige gute Beobachtungen bietet. Besonders eindrücklich ist aber der Stausee als solches. Innert weniger Jahre hat sich eine sehr reichhaltige Wasservegetation gebildet - fast unglaublich, dass der Stausee vor 15 Jahren noch weitgehend kahl und vegetationsarm war. Höhepunkt unserer Beobachtungen sind sicher die zwei eher unerwarteten Weissbartseeschwalben. Trotz schlechtem Wetter gelingt es uns nur mit Mühe, die Gruppe wieder zurück in den Bus zu bringen, um nach Budapest fahren zu können.
Angesichts der fortgeschrittenen Zeit verzichten wir in Budapest auf das Aussteigen und geniessen die von Janos spontan organisierte Stadtrundfahrt im Bus.

Die Rückfahrt per Zug erweist sich als problematischer als die Hinfahrt: Ein Rangierunfall von Güterwagen in Tatabanya führt zu so langen Verzögerungen der Weiterfahrt, dass unsere reservierten Schlafwagen in Wien die Weiterreise in die Schweiz ohne uns antreten. Immerhin erbarmt sich die österreichische Bahnverwaltung und lässt mit unserem Zug in die Schweiz einen zusätzlichen Wagen mitfahren, damit wir uns nicht in den bereits gut gefüllten Zweitklasswagen Budapest - Zürich quälen müssen. Die Gruppe (welche schon während der ganzen Reise ein Muster an Harmonie, guter Laune und Pünktlichkeit war) nimmt dieses unerwünschte zusätzliche Abenteuer mit vorbildlicher Gelassenheit hin. Am Sonntagmorgen erreichen wir schliesslich Zürich etwas müder als vorgesehen, aber (gestärkt durch ein Morgenessen im ungarischen Speisezug) durchaus guter Dinge.  

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