Winterthur-Seen

Winterthur-Seen

Rumänienreise vom 13. bis. 22. Juli 2007

Am Freitag, 13. Juli fuhren wir vom Flughafen Bukarest mit dem Bus in nördliche Richtung nach Zarnesti, einem Dorf in den Karpaten. Dort wurden wir in der Pension Elena herzlich empfangen und bestens betreut.

Am Samstag führte uns Daniel Petrescu, unser ständiger Reisebegleiter, über malerische Wege auf grüne Hügel und zwischen felsigen Schluchten hindurch. Wir entdeckten Gartenrotschwanz sowie Baumpieper und vor, während und nach dem Mittagessen umflatterten uns Mauerläufer, die ihre Brut in einer Felsspalte gleich am Wegrand fütterten. Nach einem frühen Abendessen erwartete uns in einem einsamen Tal ein Wildhüter, der uns mit geladenem Gewehr zu einer Hütte begleitete. Dort ging das grosse Warten los. Beim Einnachten erschien dann endlich der sehnlichst erwartete Braunbär und frass die zuvor ausgelegten Maiskörner.

Wohlverdiente Glacépause

Am nächsten Tag verliessen wir die Karpaten und fuhren den ganzen Tag über mit dem Bus nach Tulcea. Unser Weg führte uns zum hübschen Städtchen Brasov, das wir kurz besuchten und über Predeal - Campina - Ploiesti - Urziceni - Slobozia - Harsova nach Tulcea. Dort bestiegen wir das Hausboot, welches für die nächsten 4 Nächte unser Zuhause war.

Die im letzten Herbst total neu gestalteten Kabinen sind jetzt mit eigener Dusche, eigenem WC sowie Mückengittern ausgestattet. Es fehlte uns an gar nichts. Und die Bootscrew zauberte zudem im renovierten Oberdeck dreimal täglich überreichliche, feine Menüs auf den Tisch.

Die Reisegruppe auf dem Stuhlboot

Nun tauchten wir ein in die grüne, unübersichtliche Welt des Donaudeltas. Verschlungene Flussläufe, die überraschend in weite Seen mündeten, boten zauberhafte Eindrücke. Es wimmelte geradezu von Reihern (Rallenreiher, Nachtreiher, Seidenreiher, Silberreiher, Purpurreiher, Zwergdommeln), Eisvögeln und Zwergscharben.   Am Himmel zogen immer wieder Formationen von Rosa- und Krauskopfpelikanen vorbei. Waldwasser-, Flussufer- und Bruchwasserläufer flatterten hoch, während wir dahinglitten. Hunderte von Uferschnepfen säumten die Ufer. Immer wieder rief jemand: „Blauracke!" oder "Pirol!". Auch ein Seeadler sass zum Greifen nah auf einem Baum. Tausende von Fröschen schwammen und hüpften in den Seelein oder am Schilfrand. Besonders eindrücklich waren die bezaubernden Morgen- und Abendstimmungen in der ruhigen Umgebung des Hausboots.

Krauskopfpelikan

Um in die engeren Kanäle zu gelangen, benützen wir tagsüber das „Stuhlboot“, ein kleines, mit Gartenstühlen bestücktes Motorboot. Damit besuchten wir auch das Dorf Letea auf einer Insel im Delta, das heute noch von Lipowenern bewohnt wird. Das sind russischstämmige Einwanderer, die sich früher vor allem durch die Bearbeitung von Lindenholz hervortaten (lipa heisst auf russisch Linde). Die Leute leben dort äusserst bescheiden und sind hauptsächlich Selbstversorger, da das Dorf nur auf dem Wasserweg erreicht werden kann und im Winter, wenn die Donau gefriert, praktisch abgeschnitten ist.

Aber auch die Donaudeltazeit ging zu Ende. Wir zügelten nach Tulcea in die komfortable Villa „Miss Good Night“, die Ibis Tours seit letztem Jahr führt. Uns blieben noch drei volle Tage, um die Dobrudscha-Steppe zu erkunden, die südlich des Donaudeltas liegt und bis zum Schwarzen Meer reicht. Traumhafte Landschaften beeindruckten uns, und die kargen Weiden mit Ziegen- und Schafherden samt Hirten boten archaische Bilder. Welche Gegensätze: In den Städten die BMWs und Mercedes, in den abgelegenen Dörfern die ganze Familie im zweirädrigen Holzkarren, gezogen von einem dürren Esel.

Villa Miss Goodnight

So trocken und ausgemergelt die Landschaft wirkte, so überraschend war die Fauna: Da flatterte ein Wiedehopf, dort sassen Dutzende Bienenfresser und Blauracken auf Stromleitungen; des weiteren zogen Zwergadler, Adlerbussard, Kurzfangsperber, Rotfussfalke und Würgfalke ihre Kreise am Himmel. So ganz nebenbei entdeckten wir eine Steinkauzfamilie in einem leeren Fabrikgebäude.

An einzelnen Bäumen klopften Weissrücken-, Blut- und Kleinspechte. Rotkopf- und Schwarzstirn­würger sassen in Baumgruppen. Triele und etliche Isabell-Steinschmätzer suchten Nahrung in der heissen, trockenen Landschaft. Bei einigen Tümpeln, nahe dem Schwarzen Meer, fanden sich u.a. Lachseeschwalben, Zwergmöwen und Brachschwalben. Am Schwarzen Meer selbst, das uns ein kurzer Badeabstecher wert war, überraschte uns noch eine Gruppe Sanderlinge und stoss­tauchende Brandseeschwalben.

Die Dobrudscha

Insgesamt 157 Vogelarten, einige Schlangen, Unken, seltene Schmetterlinge, Pflanzen, welche die Botanikerherzen hüpfen liessen, Schildkröten und verschiedene Eidechsen hinterliessen bei uns allen nachhaltige Eindrücke. Der hervorragende Botaniker Mihai Petrescu von der Universität Tulcea erzählte uns Spannendes über die Welt der Steppe mit ihren vielen endemischen Pflanzen, und Dani überzeugte uns mit seinem phänomenalen Vogelbestimmungskönnen und seinen "Sperber"-Augen.

Ein Besuch im Kloster Cocos bereicherte die Tage in der Steppe. Ein Mönch erzählte uns die Geschichte des Klosters und erläuterte uns die Bedeutung dieser Klostergemeinschaft.

Überwältigt von den vielen Erlebnissen und dem abwechslungsreichen Reiseprogramm fuhren wir mit stillem Bedauern am Sonntag 22. Juli zurück nach Bukarest. Wir bestiegen nach zehn Tagen Sonnenschein und hohen, aber erträglichen Temperaturen das Flugzeug zurück in die Schweiz.

Die unberührte Natur, die Ruhe auf dem Fluss und das gute Einvernehmen in unserer Gruppe begleitet uns noch lange im anschliessenden Alltag.

Brigitte Hofmann (Text) und Tina Kagerbauer (Fotos)

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