Winterthur-Seen

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Vereinsreise nach Nordfriesland vom 30. April bis 10. Mai 2009

17 Vereinsmitglieder machen sich am Vorabend des 1. Mai auf den Weg nach Dagebüll in Nordfriesland.
Am 1. Mai um die Mittagszeit holt uns ein Bus an der Mole in Dagebüll ab und bringt uns zur Pension Recklef. Schon der Zimmerbezug wird zum Erlebnis. Wir wohnen direkt hinter dem Deich. Unzählige Graugänse führen ihre Gössel auf den angrenzenden Wiesen spazieren, der Austernfischer ruft überall, Rotschenkel machen sich lauthals bemerkbar, die Klappergrasmücke klappert im Gebüsch: Kurz, die Stimmung steigt unaufhörlich. Nach einem kurzen Imbiss erkunden wir die Gegend mit Feldstecher und Fernrohr. 12 verschiedene Entenarten entdecken wir im Fahretofter Koog, dazu auch Nonnengänse, Löffler, Rohrweihen, Kiebitze, Säbelschnäbler und verschiedene Schnepfen neben anderen Limikolen. Über allem ertönt das Geschrei der Küstenseeschwalbe.

Am 2. Mai müssen wir früh aus den Federn. Die Fähre nach Amrum wartet nicht. Unser Führer vor Ort, Dr. Walther Petersen-Andresen, mahnt: Es gibt keine Zuspätgekommenen, nur Zurückgebliebene. Er arbeitet seit Jahrzehnten bei der Schutzstation Wattenmeer und hat neben ausgezeichneten ornithologischen Kenntnissen auch ein umfassendes Wissen über die Natur im und am Wattenmeer. Alle sind fasziniert von seinem inneren Feuer für die Natur und deren Schutz.
Er zeigt uns die interessantesten Plätze auf der wunderschönen Insel. In den Sanddünen vor dem Knieppsand (Küste) brüten tausende von Silber-, Herings- und Sturmmöwen. Auf Büschen singen Schwarz- und Braunkehlchen. Auf der Insel und an den Küsten brüten unzählige Paare Eiderenten. Die Erpel im Prachtkleid sehen aus wie Gemälde. Hier entdecken wir auch Brandseeschwalben. Kaffee und Kuchen runden den Tag ab.

Fotos von Ursula Breimesser
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Am So, 3. Mai, erkunden wir die nahe Umgebung und fahren anschliessend mit Kapitän Uwe Petersens Schiff auf Seehundsfahrt. Die herrlichen Tiere liegen auf Sandinseln, die bei Ebbe hervorkommen, und schauen dem Boot gelassen entgegen. Der mitfahrende Matrose lässt ein Schleppnetz ins Wasser und erklärt uns die vielfältigen Meerestiere, die er heraufholt und wieder ins Meer zurücklässt.

Am Mo fahren wir mit dem Bus zum Gottes Koog. Der Name Koog bezeichnet Land, das dem Meer durch Eindeichung abgerungen wurde. In diesem Koog finden wir Heide-, Moor- und Wasserflächen. Der Gesang des Schilfrohrsängers begleitet uns den ganzen Morgen, ebenso der der Fitisse und Rohrammern. Wie angewurzelt stehen alle bei den Fernrohren und beobachten die Seeadler beim Horst. 2 Junge sind geschlüpft. Der Feldschwirl lässt alle verstummen und lauschen. Ein Wiesenweihenmännchen schaukelt vorüber, Feldlerchen jubilieren allenthalben, desgleichen Wiesenpieper. Diese konkurrieren unüberhörbar mit dem Baumpieper. Am Nachmittag besuchen wir das schöngelegene Noldemuseum, das nahe der dänischen Grenze liegt. Zurück in Dagebüll spazieren wir von der Dagebüller Mole in die Pension, entdecken über 100 Goldregenpfeifer, auch Steinschmätzer und Steinwälzer.

Am Di wartet Holger Bruns im Katinger Watt auf uns. Der Bus bringt uns in einer Stunde dorthin. Holger Bruns ist nicht zufällig eng befreundet mit Walter Petersen. Die beiden verbindet das 100%ige Engagement für die Natur. Wohl selten findet man ein Naturschutzzentrum mit so ausführlichen und liebevoll gestalteten Details. Nach einer spannenden Einführung beobachten wir aus nahen Hides, dann von einem hohen Beobachtungsturm und besuchen einen Brutplatz der Küstenseeschwalben am Eidersperrwerk. Unter dem ohrenbetäubenden Geschrei inmitten dieser balzenden, herrlichen Vögel entdecken wir den Brutwechsel eines Seeregenpfeiferpärchens.
Weiter gehts eideraufwärts zum Horst der Seeadler, durch ein Meer von Knabenkräutern mit brütenden Wiesenpiepern. Der Eider entlang wimmelt es von Limikolen. Am Abend geniessen wir einen spannenden Diavortrag von Walter Petersen in unserer Pension.


Fotos von Ursula Breimesser
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Am Mi wird die Wattwanderung wegen Sturm abgesagt; daher fahren wir in die Bordelumer Heide. Die spezielle Heidestimmung gefällt allen. Die Suche nach dem dort ansässigen Rothalstaucher verläuft leider ergebnislos. Dafür spüren wir den Wind und freuen uns über die Sonne. Der Eisvogel pfeift, bleibt aber unsichtbar. Wir freuen uns auf die gute Küche von Frau Nissen in der Pension Recklef. Sie macht alles möglich: Frühstück um 6 Uhr, Lunch mit speziellen Wünschen, Abendessen um 18 oder 20 Uhr.


Den Do verbringen wir im Beltringharder Koog. Das ist das Zentrum von Walthers Arbeit. Letztes Jahr hörten Anita Schneeberger und ich dort die Rohrdommel. Der Wind macht aber ihr und uns zu schaffen. Doch die Tausenden von Pfuhlschnepfen, Alpenstrandläufern, Knutts und Waldwasserläufern lassen die Kühle vergessen. Dann präsentieren sich auch noch Blaukehlchen auf dem Zaun am Wege. Beim feinen Zmittag in Lüttmoorsiel sind alle übermütig. Bald wollen wir wieder hinaus auf Entdeckungstour. Es lohnt sich. Auch die Schwarzhalstaucher im Prachtkleid sind wunderschön. Als auch noch eine Uferschnepfe laut rufend über unsere Köpfe zieht, sind wir des Lobes voll: Ein toller Tag. Wir sind weit gelaufen, rechtschaffen müde und freuen uns auf ein besonderes Abendessen.
Wir treffen uns mit Walther, seiner Frau Birgit und deren Eltern, die eine wunderschöne Ferienwohnung vermieten, im Fischrestaurant „To olen Slüüs“. Die Wirtsleute haben extra für uns eine Speisekarte gedruckt: „Hallo, Ihr Vogelgucker“. Alle loben die Fischspezialitäten. Vor dem Dessert gehts per Fahrrad zum Rapsfeld. Walter weiss, wo die Blaukehlchen brüten. Und schon hören wir sie singen. Zuoberst auf den gelben Blüten sitzen sie, dort, wo auch die Schafstelzen thronen. Nun haben wir den Nachtisch verdient. Im Dunklen kehren wir mit den ungewohnten Rücktrittvelos in die Pension zurück. Ganz selbstverständlich haben Herr und Frau Nissen die „Velounkundigen“ hin- und zurücktransportiert.

Der Freitag verspricht Blitz und Donner. Das Gewitter trifft auch ein. Aber eimal mehr bleiben wir trocken. Die Wattwanderung wäre so viel zu gefährlich. Der Fahretofter und der Hauke Haien Koog bieten genug Beobachtungsmöglichkeiten. Dafür bringt uns Uwe Petersen mit seinem Schiff auf die Hallig Ohland, wo sich unzählige Ringelgänse Fett anfressen, um weiter in den Norden fliegen zu können. Zwergseeschwalben sind dort auch anzutreffen, ebenso im Hauke Haien Koog. Die Bewohner der Warften erfahren alljährlich mehr als 20 Mal „Landunter“, d. h., nur noch ihre Häuser, die Kirche und das Schulhaus ragen aus dem Wasser. Die Halligen haben eine unersetzliche Bedeutung für die Küste des Wattenmeers. Auf dem Heimweg vom Hafen Schlüttsiel können wir neben vielen anderen Vögeln Kampfläufer beobachten, die sich streiten und um Weibchen buhlen, Zwergseeschwalben feiern Hochzeit. Mit der Sonne im Rücken stehen wir am Deich, das Wasser glitzert: Wir sind im Paradies!



Am Samstagmorgen führt uns Walther noch ins Watt. Barfuss erfahren wir vieles über den Wattwurm, die Herzmuschel, die Austern, halten das Getier in den Händen, fühlen Fango an den Füssen und wissen: Wir kommen wieder!
Schon wartet der Zug am Hafen. Über Niebüll, Bredstedt, Husum gehts nach Hamburg.
Nach einem feinen Nachtessen schaukeln wir im City Night Line dem Alltag entgegen.

Adressen:
Walther Petersen Andresen      www.wattwanderungen-halligerlebnis.de
Busunternehmen                    www.schmidt-dagebuell.de
Pension Recklef Frau Nissen     www.pension-recklef.de
Katinger Watt Holger Bruns     www.nabu-katinger-watt.de


Die Reiseleiterinnen Brigitte Hofmann und Anita Schneeberger

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