Ein Biodiversitätsgarten mitten im Siedlungsgebiet!

Mit diesem Projekt haben wir die einmalige Chance, auf einer kleinen Fläche mitten im Siedlungsgebiet einen Beitrag zu mehr Biodiversität in der Stadt zu leisten. Wir erarbeiten mit einfachen Mitteln verschiedenen neue Lebensräume und Strukturelemente für die einheimische Flora und Fauna. Wir unterstützen die Biodiversität mit diesen kleinen Aufwertungen und wollen damit zeigen, was auch in einem Hausgarten zur Förderung der einheimischen Flora und Fauna getan werden kann.

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Der Biodiversitätsgarten, liegt unterhalb der reformierten Kirche Seen (Wiese zwischen Friedhof und Restaurant Rössli). Mit den Grundeigentümern konnten wir 2022 vereinbaren, auf diesem Grundstück mit dem schönen Kirschbaum und einigen alten Birnbäumen einen Biodiversitätsgarten anzulegen.

Beispiele für Aufwertungen:

  • Pflanzen von verschiedenen regionalen Wildrosen und Sträuchern
  • Pflanzen und Säen von einheimische Blütenstauden: als Blumenbeet, Krautsaum, Initialpflanzung in der Wiese
  • Allmähliche Aufwertung der Wiese, partielles Mähen mit der Sense, Heukompost
  • Kleinstrukturen: Astriegel, liegendes Totholz, Recyclingsitzmauern, Krautkorb
  • Ruderalflächen, Nistgelegenheiten für Bodenbrütende Insekten
  • Nutzgarten von Schülern der Kleingruppenschule Winterthur (KGS)

2024

Der Gartentreff am 26. Juni zum Thema Wildbienen fand für einmal bei schön sonnigem Wetter statt, 25 Personen sind unserem Aufruf gefolgt.

Mit dem Wildbienenexperten Lorenz Achtnich konnten wir 10 verschiedene Wildbienenarten entdecken, und das ist nur ein Bruchteil der 600 Arten, die bei uns vorkommen könnten.

Die Natternkopf-Mauerbiene kann nur da leben, wo es Natternkopfpflanzen gibt.

Hast du schon mal regelmässige Löcher in deinen Rosenblättern entdeckt? Das war mit grosser Sicherheit das Werk der gemeinen Blattschneiderbiene. Sie schneidet ovale und runde Stückchen aus Rosenblättern, fliegt sie zu ihrer Brutröhre und kleidet damit die Brutzellen vollständig aus.

Einige Insekten noch in riesiger Vergrösserung im Binokular zu bestaunen war beeindruckend.  Diese Augen, diese Beinchen und die feinen Härchen – total faszinierend.

So spannend ist Biodiversität!

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Zum Gartentreff vom 29. Mai zum Thema Lebensraum Wiese kamen trotz regnerischem Wetter15 Interessierte. Wir schauten uns an diesem Abend die Wiese mal etwas genauer an, um zu entdecken, was alles in und von der Wiese lebt.

Bei der Wiesenpflege müssen wir aufpassen, dass wir nicht die Speisekammer oder gar die Eier von Heuschrecken, Spinnen, Raupen oder Käfer zerstören oder wegräumen. Dafür müssen wir verstehen, wie Insekten leben und wie sie sich entwickeln.

Die meisten Heuschrecken legen ihre Eier gegen Herbst in den Boden der eher lückigen Wiese. Dort können die Eier auch einige Jahre liegen bleiben, bis sie dann im Frühjahr als fertige kleine Heuschrecken schlüpfen. Beim Grösserwerden häuten sie sich 4-5 mal, bis sie dann als erwachsene Heuschrecken wieder Eier legen.

Trotz eher kühlem Wetter konnten wir an diesem Abend einige junge Heuschrecken, Soldatenkäfer und Spinnen entdecken und kennenlernen.

Von Regina gab es dann noch wichtige Tipps, wie wir beim Mähen die Lebewesen einer Wiese schonen können:

  • Wiese sorgfältig mit der Sense oder einer Heckenschere mähen.
  • immer nur Teile der Wiese mähen, auch im Winter einen Teil stehen lassen.
  • das Gras trocknen lassen und mit dem Heu dann einen Heukompost anlegen.
  • das Heu sauber ausrechen, damit der Boden frei ist für die Eiablage und das Versamen.

 

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Im Rahmen des Festivals der Natur organisierten wir am 25. Mai 2024 im Biodiversitätsgarten einen Familientag. Eine grosse Schar Erwachsenen und Kindern entdeckten dabei vielfältiges Leben auf dem Areal. Insekten wurden bestimmt, Spinnen mit der Lupe betrachtet und besonders spannend war für die Kinder der Ameisenlöwe, den sie mit Ameisen füttern konnten.

Jugendgruppe: Forschen im Biodiversitätsgarten

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Der Gartentreff zum Thema Kleinstrukturen, Astriegel bauen fand am 24. April statt. Beim Arbeiten an diesem Abend haben wir schön warm bekommen!

Mit Astmaterial aus dem Tellenholz bauten wir einen Astriegel auf. Uns gibt er etwas Sichtschutz gegen die Tösstalstrasse und den verschiedenen Tieren bietet er einen wertvollen Unterschlupf. Zuunterst haben wir eine Kammer für Kleintiere eingebaut, oben werden nach und nach totholzknabbernde Käferlarven einziehen. Wildbienen werden später als «Nachmieter» deren Gänge als Niströhre benutzen.

Bei uns sind ja unordentliche Ecken kaum noch zu anzutreffen. Als Ersatz können wir mit solchen Asthaufen oder Holzbeigen, Krautsäumen, Steinhaufen lebenswichtige Bereiche für Insekten, Igel, Kröten etc. anlegen.

Auch unsere Recyclingsitzmauer sind solch wertvolle Elemente, für uns ästhetisch schön und gäbig zum draufsitzen. Den Tieren ist das egal, Hauptsache sie finden Ritzen und Nischen um sich vor Fressfeinden und Wetter zu schützen, ihre Nachkommen zu pflegen oder sich an der Sonne aufzuwärmen.

Wir haben das dann in der warmen Bibliothek bei Kaffee und Kuchen gemacht und uns noch eine Weile ausgetauscht über das vielseitige Leben im Biodiversitätsgarten.

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Schon zum zweiten Mal bepflanzen die Schüler:innen der Kleingruppenschule ihren Schulgarten.

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2023

Wir führen Im Biodiversitätsgarten auch Kurse durch. So haben wir zusammen mit Grünwerk im Frühsommer 2023 einen Sensekurs organisiert. Das Mähen mit der Sense schont Insekten und Kleintiere und die Pflanzen wachsen nach dem Schnitt mit der Sense besser. Die Wiese wurde später partiell so gemäht. Auch die Schüler:innen haben ein grosses Stück mit der Sense gemäht. Das Heu wurde zusammengerecht und kompostiert. Nächsten Sommer wird darauf dann Gemüse wachsen.

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Im Oktober 2023 lernten Kursteilnehmende im Bänkli-Workshop, wie man Sitzbänke aus Recyclingmaterial baut. Diese laden nun zum Sitzen und Verweilen ein.

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Im Spätherbst 2023 haben Vereinsmitglieder das restliche Gras zusammengenommen und sich dem Aushacken der hartnäckigen Brombeeren angenommen.

Im oberen Teil des Gartens haben wir zehn verschiedene Wildrosenarten aus der Region gepflanzt. Noch sind sie klein und es wird noch etwas dauern, bis wir sie in voller Blüte bewundern können. Zum Schutz vor Mäusen haben wir bei der Pflanzung Nussbaumzweige rund um die Setzlinge eingesteckt und das ganze mit Laub abgedeckt.

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Die vorhandenen grossen Birnbäume sind schon recht alt, können aber noch lange stehen bleiben und sind ökologisch sehr wertvoll. Wir wollen aber schon jetzt für Nachwuchs sorgen und haben vier junge Birnbäume gepflanzt. Drei als Ergänzung in der Allee entlang des Weges und in der Wiese einen «Sept-en-Geule», eine alte, hochwachsende Birnensorte.

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