Winterthur-Seen

Winterthur-Seen


Nach einem Polizeieinsatz im IC zwischen Zürich und Bern und darum mit einiger Verspätung schafften es 14, gegen (fast) alle Niederschläge gewappnete Exkursionsteilnehmer und das Leiterduo Nelli und Patrick auf Umwegen doch noch an den Neuenburgersee bei La Sauge. Nachdem uns die turbulente Anreise schon etwas Zeit gekostet hatte, haderten wir nicht lange mit dem garstigen Wetter und marschierten entschlossen auf die Chablaismole, die direkt ins Ramsargebiet führt. Erste Lichtpunkte im trüben Regenwetter setzten ein Schwarm mit Rauch-, Mehl- und Uferschwalben sowie ein stoischer Seidenreiher, der seine gelben Füße auf einem Stein wunderschön zur Schau stellte. Auf der vegetationsarmen Mole, die weit in den See hinausragt und gute Sicht auf die seichte Chablaisbucht bietet, waren wir leider dem Wind ausgesetzt. Glücklicherweise regnete es nicht mehr allzu stark, und dank zutraulichen Alpenstrandläufern, Schwarzhalstauchern, je einem Schilfrohrsänger und Bruchwasserläufer sowie einer guten Auswahl an Entenvögeln waren die kühlen Temperaturen und der Regen sowieso schnell vergessen. Passend zur nordisch-maritimen Witterung flog bald eine (wohl juvenile) Pfuhlschnepfe dicht an uns vorbei. Aufgrund des hohen Wasserstandes fehlte es wieder mal an Sandbänken und so zog sie leider Richtung Südwesten weiter.


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Zurück im Windschatten wurden wir bei der Chablaisplattform, von wo aus Teile des Schilfwaldes und ein kürzlich ausgehobener Tümpel gut einsehbar sind, positiv überrascht. Während hier auf dem Hinweg noch gähnende Leere herrschte, schien es nun von Limikolen nur so zu wimmeln: Zwei Kampfläufer, mindestens 16 Alpenstrandläufer, drei Sandregenpfeifer und eine einsame Bekassine suchten im Schlick emsig nach Nahrung und luden zum ausgiebigen Bewundern und Bestimmen ein. Wir kamen mit Schauen kaum nach, hatten doch in direkter Nachbarschaft zu den Limikolen auch ein aparter Eisvogel und eine Schwarzkehlchenfamilie Aufmerksamkeit verdient. Es fiel uns schwer, uns von diesem Vogelreichtum zu verabschieden, doch war das Verlangen nach Koffein und einer heißen Tasse zum Wärmen unserer kalten Finger letztlich doch stärker. Aufgetaut und gestärkt verließen wir die Auberge La Sauge bald wieder und gingen – teilweise behänden Fußes über Pfützen hüpfend – in Richtung Fanel. Im Kulturland überraschte uns unter anderem ein eher später Kuckuck, der frei auf einem Pfahl saß und in arttypischer Manier seine Flügel hängen ließ. Viel energiegeladener dünkten uns die zahlreichen Gartenrotschwänze, die auf der Nahrungssuche von Pfosten zu Pfosten flogen und uns ihre unterschiedlichen Kleider studieren ließen. Zusammen mit einem Fuchs auf Mäusejagd und einem weiteren Schwarzkehlchen sorgten sie dafür, dass unsere Feldstecher ununterbrochen im Einsatz waren. Beim Altarm im Fanel repetierten die FOK-Absolventen die Merkmale der Knäkente, für deren Bestimmung im Herbst meist gute Optik nötig ist. Am Ende des Weges erhielten wir auf dem Gämshoger einen guten Überblick über die Fanelbucht, die beiden künstlichen Inseln und die Riedflächen des Fanels. Die Nester der riesigen Kormorankolonie im Gebiet waren zwar der Jahreszeit entsprechend nicht mehr besetzt, die „Seeraben" saßen aber immer noch zahlreich auf den von „Guano“ weiß getünchten und (daher langsam absterbenden) Bäumen. Während wir über das Schicksal des Baumbestandes im Gebiet mutmaßten, gaukelten gleich zwei weibchenfarbige Rohrweihen ins Bild. Auf teilweise kurze Distanz konnten wir die typischen Merkmale der Art gut erkennen. Mit dieser schönen Beobachtung als Abschluss wollten wir den Rückweg antreten und packten unsere Sachen. Als wir alle schon fast marschbereit waren, fragte Barbara lakonisch: "Na, was fliegt denn da?" Nur circa 30 Meter von uns entfernt war tatsächlich ein Fischadler zu sehen! Seinem Namen machte der Vogel gleich alle Ehre, indem er - Klauen voraus! - ins Wasser stach und mit einem beachtlichen Fisch wieder aufstieg. Er verdrückte sich sogleich in die Säubucht, wo er auf einem kahlen Baum – weit weg, aber im Fernrohr gut sichtbar – seine Beute kröpfte. Nach dieser tollen Überraschung war es (leider) definitiv an der Zeit, den Rückweg in Angriff zu nehmen. Mit unglaublich vielen schönen Eindrücken (und dank einer Regenpause am Nachmittag sogar halbwegs trocken!) reisten wir polizeieinsatzfrei zurück Richtung Winterthur.

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