Winterthur-Seen

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Vereinsreise Montenegro 17. bis 26. 4. 2015

Die diesjährige Vereinsreise war eine Pionierreise. Montenegro (Crna gora) ist für ornithologische Reisen kaum bekannt und für unsere lokalen Reiseleiter Radovan und Darko war es ebenfalls die erste ornithologische Gruppenreise. Auch die Reiseteilnehmer betraten Neuland, war doch keiner von uns zuvor in Montenegro.

Nach dem Flug nach Podgorica (früher Titograd), der heutigen Hauptstadt Montenegros, brachte uns unser Bus nach Cetinje, der historischen Hauptstadt von Montenegro, wo wir bei einer Stadtführung viel über die wechselhafte Geschichte des Landes erfuhren. Die Weiterfahrt führte uns zu unserem ersten Hotel in Ivanova Korita im Nationalpark Lovćen auf knapp 1300 m ü.M. Statt Frühling erwarteten uns viel Schnee und kalte Temperaturen und es hiess: warme Kleider anziehen!

Trotzdem konnten wir schon am nächsten Tag von der Hotelterrasse aus Mittelmeer-Steinschmätzer, Rotkopfwürger und Kleinspecht beobachten. Ein kleiner Rundgang führte uns zu Klappergrasmücke und Zippammer. Wegen des vielen Schnees konnten wir den berühmtesten Berg von Montenegro, den Lovćen, nicht besteigen. Auf einem Pass unterhalb des Gipfels konnten wir dennoch schöne Beobachtungen machen (Steinrötel und Pirol), besuchten in Njeguši eine Schinkenräucherei und degustierten zum Mittagessen Schinken. Beim anschliessenden Spaziergang entdeckten wir unter anderem einen Halsbandschnäpper zwischen ein paar Wiedehopfen und eine Wiesenweihe.

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Bootsfahrt_auf_dem_See1
Bucht_von_Kotor
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Hotel_in_Ulcinj
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Skuteriesee_Richtung_Albanien
Virpazar
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Auf dem Weg zu unserem nächsten Hotel besuchten wir Kotor. Diese kleine Stadt liegt geschützt in einer Bucht an der Adriaküste und war lange Zeit unter venezianischem Einfluss. Entsprechend fühlten wir uns beim Stadtrundgang wie in einer italienischen Kleinstadt, allerdings mit Alpendohlen statt der eher zu erwartenden Turmdohlen. Die Weiterfahrt entlang der Adriaküste führte uns zu den stillgelegten Salinen in Tivat, wo wir unter anderem acht Sichler und ein paar Löffler beobachteten sowie einen Weissstorch. Von Letzterem gibts ein einziges Brutpaar in Montenegro! In der herrlichen, bewaldeten Bucht von Buljarica beobachteten wir unter anderem einen Ortolan, einen Wendehals und mehrere Weissbartgrasmücken. Am Abend erreichten wir dann Ulcinj im Süden des Landes, nahe der albanischen Grenze. Der Ort ist bereits stark muslimisch geprägt und Muezzingesang begleitete unser Nachtessen. Im schönen Hotel in einer alten Burganlage mit prächtigem Ausblick auf die Adria verbrachten wir die nächsten 3 Nächte.

In der Umgebung von Ulcinj besuchten wir in den folgenden Tagen eine riesige Saline, die eine grosse Bedeutung als Raststätte für Zugvögel hat. Leider störte der Wind ziemlich stark; dennoch konnten wir einige schöne Beobachtungen machen, unter anderem wurde ein Triel entdeckt und eine Raubseeschwalbe, Rötelschwalben, sowie ein grosser Trupp Flamingos gesichtet.
Bei einem ungeplanten Stopp entlang einer Hauptstrasse – wir sahen vom Bus aus drei Rotfussfalken die auf einer Hochspannungsleitung sassen – konnten wir grad auch noch einen Steinkauz, mehrere Kuckucke und als absolutes Highlight vier Pirole (3 ♂ und 1 ♀) beobachten, die zusammen in einem Busch sassen. Wohl keiner der Reiseteilnehmenden konnte je so lange die schönen gelben resp. grüngelben Vögel beobachten, die auf dem Durchzug in Büschen nach Nahrung suchten und bereits am Balzen waren.
Bei einem schönen Spaziergang in den Dünen nahe der Küste hörten wir den vielfachen Gesang des Balkanlaubsängers und entdeckten einen Kurzfangsperber, am Strand dann noch eine Brandseeschwalbe.
In Städtchen Ulcinj durften wir in einer alten Ölmühle Olivenöl und Oliven degustieren und viele deckten sich wieder mit kulinarischen Reisesouvenirs ein. Ein anschliessender Spaziergang führte uns durch einen alten Olivenhain mit uralten Olivenbäumen.

Und schon wieder hiess es Koffer packen für die Weiterfahrt zu unserer nächsten Unterkunft. Auf dem Weg dorthin konnten wir in einer felsigen Schlucht einen Felsenkleiber und Blaumerlen beobachten. Auf dem Pass zwischen der Küste und dem Skutari-See bewunderten wir diesen Binnensee in seiner vollen Grösse. Das Mittagessen genossen wir auf dem kleinen, abgelegenen Hof von Fatima und Ihrer Familie. Wir waren beeindruckt von der herzlichen Gastfreundschaft und den köstlichen montenegrinischen Spezialitäten. Schliesslich erreichten wir in Virpazar unsere Unterkunft für die nächsten Tage.

In den folgenden Tagen besuchten wir von Virpazar aus verschiedene Ziele um und auf dem Skutari-See. Auf einer gemütlichen Schifffahrt kamen wir recht nahe an die Kolonie der riesigen, aber eher scheuen Krauskopfpelikane, sahen viele Zwergscharben nebst ein paar Kormoranen und hörten und sahen Turteltauben. Des Weiteren besuchten wir ein sehr abgelegenes altes Mühlendorf, wo wir schöne Einblicke in die Hügellandschaft von Montenegro genossen und nocheinmal Dutzende von Weissbartgrasmücken beobachten konnten. Auch ein Abstecher zu den montenegrinischen „Niagara-Fällen“ des Flusses Cijevna wurde unternommen. An dessen Oberlauf zeigte sich uns noch die Balkan- oder Trauermeise.

Ausserdem besuchten wir das kleine Büro der Naturschutzorganisation CZIP (BirdLife Montenegro), die unser ornithologische Führer Darko leitet, wurden nebst Getränken mit einer Teetasse und einem Leibchen eingedeckt, und durften den herzlichen Dank für unsere Spende zugunsten von Blaurackenkästen – wir sahen die vielen selbstgemachten Kästen aber leider keine Blauracke – entgegennehmen. Wir waren beindruckt, wie eine Handvoll Leute mit wenig Mitteln unter sehr schwierigen Bedingungen und gegen grosse Widerstände grossartige Arbeit für den Natur- und Vogelschutz leisten.

Auch für botanisch Interessierte gab es auf unseren Wanderungen viel zu entdecken, so zum Beispiel die grosse Wulfens Wolfsmilch, die durchwachsene Sterndolde, der gelber Affodil, die kretische Ochsenzunge, der Sternklee, der orientalischen Zungenstendel, die Spinnenragwurz, Bertolonis Ragwurz, die gehörnte Ragwurz, das Schmetterlings-Knabenkraut, das französische Knabenkraut, die eibischblättrige Winde und vieles mehr.

Die Reise wird allen Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben. In einer tollen Gruppe durften wir ein schönes Land kennenlernen und nach einer Woche mit vielen schönen Eindrücken und Erlebnissen nach Hause zurückkehren.

Peter Baumberger, Peter Schadegg, Tina Kagerbauer



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