Winterthur-Seen

Winterthur-Seen

Reise nach Sardinien 9. – 16. April 2017

Es war wirklich sehr früh am Sonntag-Morgen, als wir uns auf dem Bahnhof Winterthur getroffen haben. Noch kein einziger Vogel hat auf dem Weg gesungen. Ein paar «Einzelzieher» sind noch am Check-In am Flughafen dazu gestossen. Da war unsere Reisegruppe mit 14 Personen komplett. Bei herrlichem Zugwetter haben wir es den Kurzstreckenziehern nachgemacht und sind über die Alpen nach Olbia geflogen. Halt, da stimmt doch etwas nicht – wer zieht denn schon im April Richtung Süden?
Was wir als Ornis ja alle wissen: es treffen nie alle Vögel zur gleichen Zeit an einem Ort ein. Die «erzwungene» Kafipause war sehr kurzweilig und mit Freuden wurde Giovanni begrüsst, als er eineinhalb Stunden später aus Rom angeflogen kam.
Nun konnte die Reise losgehen: 

A – Z
von Amsel bis Zaunammer, Zwergadler, Zwergohreule, Zwergtaucher und Zwergtrappe haben wir fast das ganze Alphabet durchgemacht. Es fehlen Vogelarten zu den Buchstaben C, I, O, U, V, X und Y. Vielleicht könnten wir mit den italienischen oder lateinischen Vogelnamen das Alphabet vervollständigen? Die vollständige Liste findet Ihr im Anhang.

Der Grösste und das Kleinste
Mit einer Spannweite von bis zu 265 cm und 6 – 11 kg Gewicht ist der Gänsegeier der grösste Vogel, den wir diese Woche gesehen haben. Sobald sie einen Thermik-Kamin erreicht haben, sind sie ohne einen Flügelschlag majestätisch gesegelt.
Hingegen hat sich das Sommergoldhähnchen sehr unstet in seinem Baum bewegt. Es ist mit 9 – 10 cm und 4 – 5 Gramm das kleinste Vögelchen, das wir gesichtet haben.

Unterschiede
Mehrfach haben wir uns in der Gruppe gefragt, woran Giovanni den Unterschied zwischen Sepiasturmtaucher und Mittelmeersturmtaucher erkennt. Einige von uns waren froh, die Vögel mehr oder weniger weit draussen auf dem Meer überhaupt zu sehen. Die Lösung: Mittelmeersturmtaucher fliegen meist aufgereiht wie eine Kette hintereinander, einige flache, schnelle Flügelschläge gefolgt auf Gleitstrecke mit leicht abwärts gebogenen Flügeln (Spannweite 70 – 84 cm).
Sepiasturmtaucher sind deutlich grösser (Spannweite 112 – 120 cm) und fliegen lange Gleitstrecken dicht über dem Wasser, beendet mit 3 – 4 (selten 6 – 7) gelassenen Flügelschlägen.
Ähnlich spannend war jedes Mal die Frage: «Kormoran oder Krähenscharbe?» Der Unterschied kann im «Svensson» nachgelesen werden.
Aber auch bei See- und Sandregenpfeifer und bei Brand-, Lach- und Flussseeschwalbe muss man die Merkmale genau anschauen um sie sicher bestimmen zu können.
Einfacher machten es uns da die Spatzen: da es auf Sardinien bloss eine Sperlingsart gibt (ausser Irrgästen), wussten wir bei jedem Spatz: «Das ist ein Weidensperling.» Es lohnt sich, den Unterschied zum Haus-, Feld- und Italiensperling dennoch im «Svensson» nachzuschlagen.

Möwen
Bereits am ersten Tag hat uns Giovanni eindringlich aufgefordert: «JEDE Möwe anschauen! Vielleicht ist es eine Korallenmöwe.» Am sechsten Tag wurde er (und wir) endlich belohnt. Er hat eine Möwe mit rotem Schnabel gesehen. Er hat es ja gesagt: «JEDE Möwe anschauen!» Zudem haben wir Lachmöwen, Dünnschnabelmöwen und natürlich Mittelmeermöwen gesehen. Auch die Dünnschnabelmöwe hat uns vor Fragen gestellt: «Giovanni, weshalb ist das eine Dünnschnabelmöwe?» Seine trockene Antwort: «Sie hat einen dünnen Schnabel.»

Schnabelformen in allen Variationen
Bereits im Grundkurs, spätestens jedoch im FOK lernen alle Ornis die unterschiedlichen Schnabelformen und ihre Bedeutung kennen. Dennoch war es faszinierend, auch darauf ein Augenmerk zu haben. So unterscheiden sich zwei weisse, beinahe gleich grosse Vögel insbesondere durch die Form der Schnäbel. Beide haben wir am Wasser gesehen: um welche beiden Vögel handelt es sich wohl?

Triel versus Limikolen
Am fünften Tag hatten wir an einem der Stagni di Càbras die Qual der Wahl. In die eine Richtung konnten wir zwei Triele beobachten und uns dank ihrer langsamen Bewegungen sämtliche Merkmale genau anschauen. Ob sie uns mit ihren grossen, gelben Augen genauso beobachtet haben, entzieht sich meiner Kenntnis.
Genau in entgegengesetzter Richtung war eine Vielzahl Limis zu beobachten und zu bestimmen. Da konnten alle Merkmale aufgefrischt und diskutiert werden.

Botanikerinnen und Botaniker

Auch die Pflanzen haben einige unserer Reisegspändli täglich vor Fragen gestellt. Wie oft sind sie mit der Lupe am Boden gekniet und haben die Ragwurze, Platterbsen, Zwergedelweiss und viele mehr, genau angeschaut, studiert, besprochen und mit Hilfe ihrer Bücher bestimmt. Um die endemische Pflanze Malteser Schwamm zu bestimmen, musste allerdings das Internet zu Rate gezogen werden. Sie sieht aus wie eine grosse Morchel und aus jeder Einbuchtung wächst eine winzige gestängelte Blüte.
Die Vielfalt der Vegetation, die Farbenpracht und die Düfte haben uns alle fasziniert, nur nicht alle im gleichen Ausmass. 

Malteser Schwamm

Malteser Schwamm

Letzter Tag
Auch am letzten Tag sind noch einige «neue» Arten dazu gekommen. So haben wir es Giovannis «Vogel-Gspüüri» zu verdanken, dass wir Zwergadler, Fahlsegler, Schafstelzen, Feldlerche, Brachpieper, Trauerschnäpper und den Wanderfalken ebenfalls auf unsere Artenliste aufnehmen konnten.

Artenliste
René hat uns vor der Reise eine 7!-seitige Artenliste zugeschickt. Giovanni hat sein Bestes gegeben, um uns viele Arten zu zeigen. Er hat uns in die unterschiedlichsten Landschaften und Habitate geführt. So ist die stattliche Zahl von 120 Arten (einige «nur» gehört, wie z.B. die Zwergohreule oder die Wachtel) zusammengekommen (siehe Artenliste).
Dennoch sind etliche Zeilen unserer Artenliste leer geblieben. So ist es z.B. trotz vereinten Kräften nicht gelungen, einen Höckerschwan zu sichten. Am fünften Tag
meinten wir, endlich einen entdeckt zu haben. Doch bei genauerem Hinschauen hat sich der gründelnde Höckerschwan als Rosaflamingo geoutet.
Dafür haben wir elf Arten jeden Tag gesehen oder mindestens gehört: Turmfalke, Strassen- und Türkentaube, Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalbe, Kohlmeise, Nebelkrähe, Schwarzkehlchen, Samtkopfgrasmücke und Distelfink.

 

Brillengrasmücke

Brillengrasmücke (Foto: Juan Emilio)

Flaschenvögel
Alle Personen, die schon auf einer Vereinsreise mit den «Seemern» dabei gewesen sind, wissen, was ein Flaschenvogel ist. Ich als Neuling wurde bereits am ersten Tag eingeführt. Nun weiss ich es auch! Bei mir ist die stattliche Zahl von 43! Flaschenvögeln zusammengekommen. Zusammen mit Heinz halte ich wohl den Rekord an Flaschenvögeln in dieser Woche. (Wir werden wohl nicht darum herumkommen, am Fotoabend die Getränke zu übernehmen). Auch die Habitués haben einige Flaschenvögel gemeldet.
Meine sind: Mittelmeer- und Sepiasturmtaucher, Nacht-, Rallen- und Kuhreiher, Gänsegeier, Rohrweihe, Wanderfalke, Purpurhuhn, Zwergtrappe, Säbelschnäbler, Stelzenläufer, Triel, See-, Kiebitz- und Goldregenpfeifer, Bruchwasserläufer, Rot- und Grünschenkel, Dunkler Wasserläufer, Kampfläufer, Dünnschnabel- und Korallenmöwe, Brand- und Lachseeschwalbe, Turteltaube, Steinkauz, Wiedehopf, Heide- und Kalanderlerche, Brachpieper, Schafstelze, Blaumerle, Dorn-, Samtkopf-, Sarden-, Provence- und Brillengrasmücke, Zistensänger, Fitis, Rotkopfwürger, Weidensperling und Korsenzeisig. Dazu kommen noch die «bloss gehörten»: Zwergohreule, Wachtel, Seidensänger.

Und der Rest
Ich kann diesen Bericht unmöglich abschliessen, ohne ein paar Sätze «zum Rest» dieser Woche zu schreiben.
Die Landschaft Sardiniens ist vielfältig und fantastisch, das Wetter war perfekt, das Essen wunderbar. Unsere zweite Gastgeberin Rita und ihr kleines Team gehört laut Giovanni zu den fünf weltbesten Köchinnen der Welt! Das können wir nur bestätigen und es zeigt sich wohl bei einigen von uns zuhause auf der Waage.
Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Giovanni, der uns die Vielfalt der Vogelwelt von Sardinien gezeigt hat. Geduldig hat er seine kleine Herde geführt und gelenkt und er hat für uns ein tolles Programm zusammengestellt.
Zudem geht der Dank der ganzen Gruppe an René: er hat seine Aufgabe als Reiseleiter und Organisator sehr umsichtig wahrgenommen.
Die meisten Manager haben jemanden im Hintergrund, der für all die wichtigen Kleinigkeiten zuständig ist: unser herzliches Dankschön an Anita, dass sie diese Aufgabe übernommen hat.

Heinz und ich sind als Neulinge von dieser Reise begeistert. Die Gefahr ist gross, dass wir wieder mit dabei sind auf einer weiteren Reise.

Brigitte Juon

 

image3

«Wer sieht den Wiedehopf?»

  • Die Karte unserer Reise hat Heinz erstellt. 
  • Das Foto vom Malteser Schwamm ist von Tina.
  • Das Foto von der Brillengrasmücke wurde aus dem Internet eingefügt.
head-bergfinkschwarm.png