Winterthur-Seen

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22. - 28. April 2001: Neusiedlersee

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Artenliste: - Vögel

Wie fast jedes Jahr haben wir auch im 2001 eine Vereinreise durchgeführt - diesmal war der Neusiedlersee das Reiseziel. In einer Gruppe von gut 20 Personen reisten wir per Nachtzug nach Wien. Dank der ausgezeichneten Vorbereitung durch János Világosi gab es für mich als Reiseleiter nicht sehr viel vorzubereiten. Aus historischer Sicht ist es für uns natürlich interessant zu sehen, wie unser ostungarischer Reiseorganisator János seinen Aktionsradius sukzessive nach Westen auf weitere Teile der ehemals kaiserlich-königlichen Donaumonarchie ausdehnt. Während der ganzen Reise sollten wir die Zusammenarbeit mit ihm nie bedauern - Alles war perfekt organisiert, für Speis und Trank war jederzeit gesorgt und es lohnte sich einmal mehr, mit einem Führer unterwegs zu sein, der alles rekognosziert hatte und wo nötig mit lokalen Führern zusammen arbeitete.

Ein einziges bürokratisches Faktum brachte etwas Spannung in unsere sonst organisatorisch ruhige Reise: Die Kontrollen am Grenzort Pamhagen waren zeitweilig äusserst kleinlich - wir sollten allerdings erst gegen Schluss erfahren, weshalb: Am Wochenende vor unserer Ankunft hatte eine Gruppe von in Wien stationierten Militärattachee einen Ausflug zum Esterhazy-Schloss geplant, ihr Bus wurde aber an der Grenze von einem jungen ungarischen Grenzsoldaten wegen einer fehlenden Busfahrbewilligung gestoppt. Danach wollten offensichtlich die Grenzbeamten beider Seiten beweisen, dass sie es bei allen Gruppen so genau nehmen und da waren wir (dank mehrmaliger Überquerung der Grenze) halt auch das eine oder andere Mal betroffen.

Eindrücklich waren für uns die Unterschiede zwischen der österreichischen und der ungarischen Seite. Auf der österreichischen Seite herrscht eine kleinräumige, intensive Landwirtschaft vor. Allerdings ist es in den letzten Jahren gelungen, bedeutende Gebiete zu extensivieren, so dass die Vogelwelt an den berühmten Laken (den westlichsten Ausläufern der asiatischen Steppenseen!) sehr gut gedeiht. Am besten sichtbar ist dies an den grossen Scharen von Graugänsen mit Jungen, welche vielerorts anzutreffen sind. Sehr schöne Beobachtungen lassen sich dabei auf Wanderungen entlang dem See und den Laken machen. Dabei ist durch Schilder und Markierungen immer schön klar festgelegt, wie sich der Besucher auf den Wegen zu bewegen hat. Damit ist die Störung für die Vögel immer die gleiche und wird damit gar nicht mehr als Störung empfunden.

Auf der ungarischen Seite ist das Gebiet bedeutend weniger dicht besiedelt. Der See ist nur an wenigen Orten zugänglich und riesige Schilfflächen erstrecken sich zwischen See und besiedelten Gebieten. Die Aktivitäten der ungarischen Nationalparkverwaltung sind vor allem auf die Schaffung neuer Feuchtgebiete gerichtet - zum Teil kamen dem an die kleinem Schweizer Naturschutzgebiete gewohnten Betrachter fast die Tränen vor Neid! Entsprechend liessen sich hier grosse Zahlen von Enten und Gänsen beobachten, ebenso wie interessante Kleinvögel.

Gesamthaft konnten wir innerhalb von einer Woche 144 Arten beobachten, viele davon mehrmals und bei guten Lichtverhältnissen. Daneben kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz, sei es bei den reichlichen Picknicks oder am Abend im Restaurant.

Erfreulicherweise machen also beide Seiten des grenzüberschreitenden Nationalparks Neusiedlersee - trotz ihrer Verschiedenartigkeit - dem ornithologischen Besucher einen äusserst guten Eindruck und bieten Gelegenheit für viele schöne Beobachtungen. Ich bin deshalb überzeugt, dass dies nicht die letzte Vereinsreise an den Neusiedlersee gewesen sein wird.

Mehr Bilder und Infos unter www.nationalpark-neusiedlersee.org

 

Samstag, 21. April
Abfahrt ab Winterthur 21:57 Uhr, Zürich an 22:23 Uhr, ab 22:33

Sonntag, 22. April: Wien - Hegykő
Ankunft am Morgen um 08.:09 Uhr in Wien, wo uns Janos Vilagosi mit dem Bus abholt. Fahrt mit dem Bus ins ungarische Hegykõ, ein kleines Dorf im Süden des Neusiedler Sees. Unterwegs können wir je nach Bedingungen erste Beobachtungen an den zahlreichen Salzlacken des Seewinkels machen. Unsere Unterkunft befindet sich in einer schönen Privatpension am Rande des Nationalparks, ein idealer Ausgangspunkt für unsere Früh- und Tagesexkursionen. Mittagessen und Ruhepause in der Pension. Am Nachmittag bieten sich mehrere Exkursionsziele in der Nähe an, z.B. die Absetzbecken einer Zuckerfabrik, wo sich meistens zahlreiche Limikolen aufhalten. Abendessen und Übernachtung wie anderen folgenden Tagen in Hegykõ.

Montag, 23. April: Limikolen im Seewinkel
Ganztägige Exkursion zur österreichischen Seite des Neusiedler Sees. Im Seewinkel bieten die vielen kleinen Salzseen ideale Nahrungs- und Rastplätze für durchziehende Limikolen. Neben häufigen Arten wie Kampläufer und Bruchwasserläufer suchen wir nach Säbelschnäblern, Stelzenläufern, Temmink- und Sichelstrandläufern etc. Mit etwas Glück können auch Teichwasserläufer, Steinwälzer oder Odinshühnchen entdeckt werden. Zu dieser Zeit ziehen auch die Trauer-, Weissbart- und Weissflügel- Seeschwalben regelmässig durch das Gebiet. An den tieferen Lacken halten sich bis zu vier Taucher- und viele Entenarten auf. Mittagessen als Picknick.

Dienstag, 24. April: Kõszeg-Gebirge
Fahrt zum Kõszeg Naturschutzgebiet. Das Köszeg-Gebirge gehört zu den östlichen Ausläufern des Alpenbogens. Während der Zeit des "Eisernen Vorhangs" wurde hier kaum intensive Forstwirtschaft betrieben, so dass die ursprüngliche Artenzusammensetzung mit Eiche und Hainbuche, hauptsächlich als Niederwald, erhalten blieb. Auf einer schönen Wanderung suchen wir nach charakteristischen Vogelarten wie Wespenbussard, Schwarzstorch, Schwarz-, Mittel- und Grauspecht sowie Kernbeisser. Nach dem Mittagessen Fahrt zum Auengebiet des Répce-Flusses. In dieser urtümlichen Landschaft mit Feuchtwiesen, Hartholz-Auenwald sowie mehreren verlassenen Höfen leben interessante Vogelarten: Schwarzstorch, Steinkauz, Wiedehopf, Eisvogel und Blutspecht, um nur einige zu nennen.

Mittwoch, 25. April: Österreichische Hanság
Der Tag ist dem österreichischen Teil des Hanság gewidmet. Das Programm richtet sich nach den herrschenden Wetterbedingungen, da wir besonders für die Beobachtung der Grosstrappen, der schwersten flugfähigen Vogelart unseres Kontinents, auf gute Sicht angewiesen sind, was normalerweise am frühen Morgen am ehesten der Fall ist. Das strukturreiche Gebiet des Hanság bietet aber auch weitere schöne Vogelarten, z.B. Wiesenweihe, Rotfussfalke, Wiedehopf und ziehende Singvogelarten.

Donnerstag, 26. April: Hanság und Fertõ-tó
Wir besuchen den Hanság sowie den Nationalpark Fertõ-tó auf der ungarischen Seite. Die ungarische Seite des Nationalparks bietet urtümliche Naturgebiete: ausgedehnte Salzsteppen, Moorlandschaften, welche den ehemaligen Naturreichtum des Neusiedlersees auch heute noch repräsentieren.
Wir besichtigen  mehrere revitalisierte Feuchtgebiete des Nationalparks Fertõ-tó, wo zahlreiche Reiher-, Enten- und Limikolenarten beobachtet werden können. Wir fahren auch zu einem künstlichen Feuchtgebiet, wo wir weitere Limikolen beobachten können, z.B. verschiedene Reiherarten, Säbelschnäbler, Stelzenläufer, Uferschnepfe, Rotschenkel Sand- und Flussregenpfeifer.

Freitag, 27. April: Umgebung von Sopron
Südwestlich des Neusiedler Sees erhebt sich das Sopron-Gebirge, wo Misch- und Nadelwälder, Rebberge und Kastanienplantagen abwechslungsreiche Lebensräume bieten. Wir werden hier erneut nach typischen Waldvogelarten wie Wespenbussard, Schwarzstorch, Schwarz-, Blut- und Mittelspecht sowie in der halboffenen Landschaft u.a. nach Wiedehopf und ziehenden Singvögeln suchen. Mittagessen in Sopron, einer der ältesten und schönsten Städte Ungarns.
Sopron liegt mitten in einer historischen Weinregion, aus welcher die besten Rotweinen Ungarns kommen. Wir haben die Möglichkeit in einem historischen Weinkeller gute Weine aus der Region zu probieren. 

Samstag, 28. April: March-Auen - Wien
Fahrt durch den Seewinkel zum Naturschutzgebiet Marchegg an der slowakischen Grenze. Nördlich des Neusiedlersees befinden sich Auenwälder, Altwasser und feuchte Überschwemmungsgebiete des Flusses March, wo wir weitere Vogelarten beobachten können. In diesem landschaftlich reizvollen Gebiet können mehrere Reiherarten, Schwarzstorch, Schwarzmilan, Habicht, Grau- und Mittelspecht und  mit Glück auch die seltenen See- und Kaiseradler und Würgfalke beobachtet werden. Mittagessen als Picknick. Am späten Nachmittag Fahrt nach Wien, kurzer Stadtbummel. Nachtessen in Wien.
Abfahrt von Wien um 21:15 Uhr;

Sonntag, 29. April:
Ankunft in Zürich 06:27 Uhr, Abfahrt 06:40 Uhr, Winterthur an 07:05

 

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